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07.01.2005

Mehr als Diabelli

Mehr als Diabelli

Mitte der Achtziger wandte sich Stephen Bishop-Kovacevich seiner zweiten Passion zu. Er schlug die Dirigenten-Laufbahn ein und machte sich vor allem als Leiter des Australian Chamber Orchestra einen Namen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er aber bereits eine glänzende Karriere als Pianist hinter sich, die ihn vor allem als Beethoven-Interpreten ins Gespräch gebracht hatte. Die Essenz dieser Beschäftigung mit dem großen Klassiker ist nun endlich gesammelt in einer 6CD-Box erhältlich, die die großen Aufnahmen Bishop-Kovacevichs aus den Siebzigern wieder zu Gehör bringt.

Stephen Kovacevichs Eltern stammten aus Jugoslawien, er selbst jedoch wurde am 17. Oktober 1940 in Los Angeles geboren. Er stellte sich als talentiert heraus, bekam daher von seinem achten Lebensjahr an intensiven Unterricht bei Lev Schorr. Bereits 1951 konnte man ihn zum ersten Mal auf der Bühne erleben mit einem Konzert in San Francisco, 1959 beschloss er dann, eine Zeit lang nach London zu gehen, um bei Myra Hess seine Fertigkeiten zu perfektionieren. Er entdeckte seine Liebe zu Beethoven und setzte sich intensiv mit dessen Werken auseinander. Dabei hatten es ihm die "Diabelli-Variationen" besonders angetan. Als er die Gelegenheit bekam, 1961 in der Wigmore Hall einen eigenen Abend zu gestalten, wählte er sie als Mittelpunkt des Programms aus und erntete großen Beifall. Es war der Beginn seiner internationalen Karriere, die ihn während der folgenden zweieinhalb Jahrzehnte durch die Konzertsäle der ganzen Welt führte. Und sie zählen auch in den gestrengen Ohren des Kritikers Joachim Kaiser - der Kovacevich in seinem Buch "Große Pianisten unserer Zeit" unter dessen zweiten Namen Bishop bespricht - zu den zentralen Interpretationen, die weit über die Norm des Musikbetriebs hinausreichen: "Der Ernst, die völlig uneitle Artikulationsfähigkeit, die stille Ausdruckskraft und sein zugleich scheues, aber großes Legato machen diesen Pianisten zu einem gewichtigen Beethoven-Interpreten. In seinen besten Augenblicken verbindet Bishop ruhig-empfindungsstark Salomons harte Größe mit Klemperers gewaltiger Natürlichkeit".

Insofern war es schon länger fällig, den hochgelobten Pianisten mit einer eigenen CD-Edition zu würdigen. In sechs Kapiteln stellt die Box Stephen Kovacevich Plays Beethoven die gewichtige Auseinandersetzung mit dem Klassiker der Klassiker vor und führt zugleich in die Meisterschaft des Interpreten wie in das Klavieroeuvre des Komponisten ein. Da sind zum einen die fünf Klavierkonzerte, die zusammen mit dem Orchester der BBC und den Londoner Symphonikern jeweils unter der Leitung von Sir Colin Davis eingespielt wurden. Ferner hat Kovacevich sich acht der 32 Sonaten, unter anderem der berühmten "Pathétique", der "Sturm"-Sonate und der rätselhaften c-Moll-Sonate op.111, angenommen, außerdem natürlich seinem Glanzstück, den "Diabelli-Variationen", den "7 Bagatelles, op.33" und den "11 Bagatelles, op. 119". Charakteristisch ist dabei die Einheitlichkeit der künstlerischen Vorstellung, mit der er sich an die Vorlagen macht, die von der Ausgewogenheit der lyrischen und dramatischen Mittel und dem tiefen inneren Verständnis der Musik geprägt ist. So ist diese Box ein Tresor voller edler Klangschmuckstücke, der wieder geöffnet und zugänglich gemacht wurde.