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17.12.2004
Richard Wagner

Vom Wesen der Kunst

Richard Wagner, Vom Wesen der Kunst

Der Meistersang war eine zunftmäßig geregelte Liedkunst des 15. und 16. Jahrhunderts. Damals entwickelten in den Städten sesshafte Handwerker ein Gegenmodel zur adelig-höfischen Kultur, das auf einem neuen Selbstvertrauen der im Spätmittelalter erstarkenden städtisch-bürgerlichen Stände fußte. Für Richard Wagner jedenfalls war diese historische Tradition die ideale Folie, um seine eigene Diskussion über die Kunst auf die Bühne zu bringen. Er wählte die Form einer komischen Oper und feierte mit den am 21.Juni 1868 in München uraufgeführten "Meistersingern von Nürnberg" einen seiner großen Erfolge.

Die weitere Rezeptionsgeschichte des Werkes war allerdings stellenweise von dunklen Zeiten geprägt. Denn die nationalsozialistischen Machthaber in Deutschland profitierten vom populären Charme der "Meistersinger" und machten sie zu einer Form von Festoper ihres Regimes, indem sie das vermeintlich Urdeutsche darin herausstellten. Erst nach dem zweiten Weltkrieg kam sie von diesem Stigma wieder frei, durch große Aufführungen weltweit, die den Sinn des Oeuvres nach Wagners Vorstellung deuteten. Dem Komponisten jedenfalls war es nicht um die Darstellung einer deutschen Tradition, sondern um die Frage nach der Bedeutung von Kunst an sich. Dabei arbeitete er durchaus typisierend. Auf der einen Seite stehen die Meistersinger als in der Konvention verharrende Handwerksvertreter, auf der anderen erscheint Walter von Stolzing, der als Ritter und genialischer Urtyp sich am liebsten über die Regeln hinwegsetzten würde. Als Mittler zwischen den beiden Positionen erscheint der berühmteste Meistersinger schlechthin, Hans Sachs, der den einen mehr Offenheit, dem anderen mehr Ehrfurcht vor der Tradition einimpft. Nur so schafft Walter es, im Wettsingen schließlich eine kunstvolle Arie zustande zu bringen, die nicht nur die Juroren überzeugt, sondern ihm auch noch die geliebte Tochter Eva des Goldschmieds Veit Pogner an die Hand gibt. Zieht man also von der Handlung den dramatischen Gehalt ab, so bleibt eine klare Aussage: Die Kunst überlebt in der Ehe des innovatorischen Genies (Walter) mit dem Kind der Tradition (Eva) unter der Obhut der Vernunft (Sachs).

 

So war's gedacht von Richard Wagner für den, der sich tiefer mit der Materie beschäftigen will. Wer aber sich "nur" auf der Ebene der Musik bewegt, kann das mit ähnlichem ästhetischem und unterhaltsamem Gewinn tun. Denn die "Meistersinger" gehören zu den amüsantesten Werken, die der Günstling von Ludwig II. geschaffen hat. Und sie lassen sich mit reichlich Witz und großer Geste auf die Bühne bringen. An der Met beginnt die Aufführungsgeschichte der Oper im Jahr 1886, als Anton Seidl, Wagners Assistent beim ersten vollständigen "Ring" in Bayreuth, sie zum ersten Mal umsetzte. Seitdem gehört sie zum Stammrepertoire des Hauses und hat viele spektakuläre Aufführungen erleben dürfen. Mit der komplizierten Rolle des Hans Sachs profilierten sich berühmte Sänger von Friedrich Schnorr, Paul Schöffler, Theo Adam oder auch Bernd Weikl bis hin zu James Morris, der in der DVD-Version zu erleben ist.

 

Aufgenommen im Dezember 2001 ist sie auf der Grundlage von Otto Schenks Inszenierung von 1993 entstanden und versammelt im pittoresk historischen Bühnenbild von Günther Schneider-Seimssen eine Reihe großartiger Künstler des Ensembles. Morris zum Beispiel brauchte nach eigenem Bekunden fünf Jahre, um die Rolle zu beherrschen, die er aber dann mit einer Selbstverständlichkeit singt, als habe er sein Leben lang nicht anderes getan. Karita Mattila ist die Eva der Neuinszenierung und daher bereits seit 1993 mit ihrer Partie vertraut. Ben Heppner hat den Walter zum ersten Mal 1990 an der Met verkörpert und Thomas Allen wurde vor seinem Engagement an der Met bereits an verschiedenen europäischen Opernhäusern für seinen differenzierten Beckmesser gefeiert. Hinzu kommen noch Chor und das ausgezeichnete Orchester des Hauses unter der Leitung von James Levine, so dass sich aus den exquisiten Einzelteilen ein ebenso ausgezeichnetes Ganzes zusammensetzt, das man zu Hause sowohl in PCM Stereo als auch im beeindruckenden DTS 5.1 / Dolby Digital 5.1 Mehrkanal-Format genießen kann.