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10.12.2004

Konzertmeister

Konzertmeister

Fragte man Kollegen, welche Eigenschaften sie Wolfgang Schneiderhan zuordnen würden, dann kamen als erste Antworten Perfektion, Disziplin und Höflichkeit. Damit war er nicht nur prädestiniert, große Orchester wie die Wiener Symphoniker und Philharmoniker zusammen zu halten, sondern auch als Interpret in kleinen, kammermusikalischen Formationen zu bestehen. In der Reihe Original Masters erscheinen nun erstmals gesammelt und international erhältlich alle Konzert-Aufnahmen, die Schneiderhan in den Fünfziger Jahren für die Deutsche Grammophon verwirklichte. Und als Zuckerl noch seine grandiose Solo-Interpretation der Bach'schen "Partita D-Moll, BWV 1004".

Als andere Geigenschüler gerade erst anfingen, das Instrument richtig halten zu können, hatte Wolfgang Schneiderhan schon seine ersten Konzerte gegeben. In Wien 1915 geboren, debütierte er mit fünf Jahren als Wunderkind, ging mit sieben bei Otakar Sevcik in die Lehre, dem Begründer der tschechisch-wienerischen Geigenschule, und vervollkommnete seine Kenntnisse mit zehn als Schüler von Julius Winkler. Unter diesen Voraussetzungen wundert es wenig, dass Schneiderhan bereits als Siebzehnjähriger zum Konzertmeister der Wiener Symphoniker berufen wurde (1933-37) und bald darauf von den Philharmonikern auf den gleichen Posten abgeworben wurde (1937-50). Im Rahmen dieser Spitzenorchester kam er mit großartigen Persönlichkeiten des internationalen Konzertwesens zusammen, interessierte sich aber gleichzeitig nachhaltig für Kammermusik und gründete ein Quartett unter seinem Namen, mit dem er von 1937 bis 1951 zahlreiche Konzerte gab. Wichtige Duo-Projekte unterhielt er außerdem mit Wilhelm Kempf, Carl Seemann und Walter Klien, nicht zuletzt auch mit seiner Frau, der Sopranistin Irmgard Seefried. Scheiderhan galt als herausragender Mozart-Interpret und machte sich aber darüber hinaus einen Namen als engagierter und strenger Pädagoge, der im Salzburger Mozarteum (1936-56), an der Wiener Musikakademie (1939-51) und den Konservatorien von Luzern und Stockholm unterrichtete.

Neben seinen zahlreichen Verpflichtungen fand er aber auch ausgiebig Zeit, sich mit den orchestralen Klassikern der Geigenliteratur zu beschäftigen. Seine Interessen beschränkten sich dabei nicht auf Mozart, sondern umfassten die komplette Repertoirepalette, die sein Instrument zu bieten hatte. Dementsprechend vielseitig präsentiert ihn auch die 5CD-Box der Original Masters. Da werden Violinkonzerte von Bach geboten (BWV 1041-43), Vivaldis "Vier Jahreszeiten", Giuseppe Tartinis "Konzert in D-moll, D.45" ebenso wie Beethovens Meisterwerk, Mozarts "Violinkonzert Nr.5 in A-Dur, K 219" und Konzerte von Mendelssohn, Bruch, Brahms und das selten eingespielte Violinkonzert von Frank Martin. Zur Seite standen Schneiderhan berühmte Orchester wie die Berliner Philharmoniker, die Wiener Symphoniker oder auch das Orchestre de la Suisse Romande unter der Leitung von Ernest Ansermet. So ist die Original Masters-Box "Wolfgang Schneiderhan - The 1950s Concerto Recordings" eine einmalige Zusammenstellung ausgewählter Höhepunkte der Geigentradition, über deren Qualität etwa im Fall der Beethoven-Interpretation der Schallplattenratgeber Penguin Guide schrieb: "Schneiderhans mono-Aufnahme von 1953 steht auf gleichem Niveau wie die Einspielung Kreislers aus dem Jahr 1926. Sie ist eine der großartigsten Darbietungen dieses Werkes, die jemals auf Platte festgehalten wurde".