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10.12.2004

Flair der Perfektion

Flair der Perfektion

Als das alte Europa sich seinem Untergang näherte, schwelgte es besonders gerne in exotischen Fantasien. Märchen wurden da vertont, Sagen und Legenden. Und je schillernder die Imaginationen wirkten, desto begeisterter war das Publikum. Da gab es eine "Scheherazade" und eine "Petrushka", einen "Feuervogel" und einen "Nussknacker", alles großartige Werke für die Bühne, die von der Kraft des körperlichen Ausdrucks in Verbindung mit der Musik leben. Sie sind Klassiker des Ballett-Repertoires und inzwischen in umfangreichen Anthologien auf DVD erhältlich.

Da ist zum Beispiel Tschaikowskis "Nussknacker". Als drittes seiner berühmten Ballette hatte es der russische Komponist Anfang der 1890er Jahre in Arbeit. Sein Vorbild war Leo Délibes "Coppélia", das ihn sehr beeindruckt hatte. Er mischte einige Elemente der Vorlage mit einem Märchenstoff von E.T.A. Hoffmann und heraus kam ein eigenständiges Werk, das mehr Erfolgspotential hatte, als zunächst zu erwarten gewesen war. Die Uraufführung fand am 18.Dezember 1892 im Petersburger Mariinsky-Theater statt und stieß auf gemischte Reaktionen, da manchen Zeitgenossen die Musik zu symphonisch erschien. Am Erfolg des Stückes änderte das nichts, denn es eroberte von Russland aus sehr schnell die anderen wichtigen Bühnen Europas und der Welt. Denn es hatte einen cleveren Plot und darüber hinaus wunderbare Melodien, zu denen sich nicht nur gut tanzen ließ, sondern die man auch - einmal gehört - kaum noch aus dem Kopf bekam. So wurde der "Nussknacker" ein Dauerbrenner der Theaterbühnen, ist bis heute eines der meist gespielten Ballette überhaupt und natürlich noch immer ein Glanzstück für das Mariinsky-Theater, das dem Stück schon aus historischer Perspektive besonders verbunden ist. Eine der großartigen Aufführungen aus St. Petersburg mit Larissa Lezhnina als Prinzessin, Victor Baranov als Nussknacker und Piotr Russanov als Drosselmeyer ist nun auf DVD erhältlich und entführt in gekonnter Mischung aus Tradition und Moderne in Tschaikowskis Zauberwelt der Spielzeuge.

Und da das Kirov-Ensemble des Petersburger Theaters zum Besten gehört, was die internationale Ballettszene zu bieten hat, ist es auch prädestiniert dafür, eine umfassende Einführung in die Welt des traditionell modernen Tanzes zu geben. "Essential Ballet" ist ein Querschnitt durch zwei umjubelte Veranstaltungen, die jeweils in Moskau am Roten Platz und am Londoner Covent Garden stattfanden. Zum Programm gehören Szenen aus den Tschaikowski-Klassikern "Schwanensee", "Der Nussknacker", außerdem sein "Russischer Tanz", die Polonaise aus "Eugen Onegin" und das Pas de Deux der schlafenden Schönen. Darüber hinaus aber tanzen die Petersburger Profis Ausschnitte aus Ludwig Minkus' "Paquita" und "Don Quixote", aus Adolphes Adams "Giselle" und dem "Korsar", Saint-Saëns "Sterbenden Schwan" und eine Szene aus Stravinskys "Feuervogel". Wer dieses Ballett allerdings ausführlicher sehen will, hat die Möglichkeit, auf eine dritte DVD zurück zu greifen. Denn "Les Saisons Russes - Return Of The Firebird". Es ist das Filmdebüt des Ballettstars des Mariinsky-Theaters Andris Liepa, der zusammen mit Pavel Lebeshev und Nikita Mikhailov drei der in die Moderne reichende russische Ballette in den klassischen Inszenierungen seines Hauses auf einer DVD versammelt: Rimsky-Korsakovs Orient-Fantasie "Scheherasade" und die beiden Märchenstoffe "Petruska" und "Feuervogel" aus der Feder Igor Stravisnkys. Die Charakterrollen werden von Darstellern der "Russian Seasons" Folk Company verkörpert, als Ballettmeister fungierten Alexander Prokofiev und Nikolay Androsov. So kann man diesen Winter auch am heimischen Fernseher reichlich großes Ballett mit dem Flair der russischen Perfektion genießen, und das von einem besseren Platz aus, als man ihn je in einem echten Theater hätte bekommen können.