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05.11.2004

Vor der Revolution

Vor der Revolution

Im Jahr 1952 brechen Ernesto Guevara und Alberto Granado auf, um Südamerika mit dem Motorad zu durchqueren. Acht Monate später endet das Abenteuer in einer Leprakolonie am Amazonas und hinterlässt zwei geläuterte junge Männer, deren Verständnis von Menschlichkeit und von sich selbst sich fundamental verändert hat. Walter Salles hat aus dieser Odyssee unter dem Titel "Diarios de motocicleta" einen großartigen Film gemacht, Gustavo Santaolalla einen nicht weniger famosen Soundtrack dazu geschrieben.

Der Regisseur Walter Salles kannte die Tagebücher schon lange, die die große Reise durch Lateinamerika beschrieben, die Ernesto Guevara und seine Freund Alberto Granado 1952 unternommen hatten. Aber selbst als die Produzenten Robert Redford und Michael Noviz an ihn mit der Idee herantraten, diese Skizzen zu verfilmen, fühlte er sich weniger geehrt, als eher überfordert, dem Stoff auch wirklich gerecht zu werden. Erst nachdem er den alten Granado und die Guevara-Familie persönlich getroffen hatte, änderte er seine Entscheidung und nahm die Geschichte unter seine gestaltenden Fittiche: "Eigentlich war es der 80jährige Granado mit seinem erstaunlichen Erinnerungsvermögen, der den Ausschlag gab. Er erzählte mir einiges über die Hintergründe des Drehbuchs, die mich die Zusammenhänge herstellen ließen: 'Ich war 1952 gerade 29 Jahre alt und Ernesto erst 23. Wie die meisten Argentinier wussten wir mehr über Griechen und Phönizier als über Inkas und Lateinamerica. Wir wussten noch nicht einmal, wo der Machu Picchu lag'. Das definierte die Ausgangsposition unseres Filmes. Es sollte um zwei junge Menschen gehen, die ihren unbekannten Kontinent entdeckten, vor dem Zeitalter des Fernsehens und der globalisierten Information. Und mindestens genauso wichtig war die eigene Identität der beiden Männer, die sich im Laufe dieser Suche heraus kristallisierte. 'Das ist die Geschichte von Ernesto, bevor er Che wurde', meinte sein Sohn Camilo zu uns. Und auch das muss man wissen, um den Film zu verstehen".

Natürlich lief damals kaum etwas so, wie es die beiden Männer geplant hatten. Das Motorrad ging in die Brüche, die Witterungen setzten ihnen zu, manche Durststrecke war zu überstehen. Aber sie trafen auch auf Menschen, die sie faszinierten, erlebten Liebe und Verlust, machten Bekanntschaft mit den Ahnen ihrer Kultur und den Abgründen des kolonialen Erbes. Für die Rolle des Ernesto fand man mit Gael Garcia Bernal einen der talentiertesten Charakterdarsteller der jungen südamerikanischen Szene. Und für die Musik wurde mit Gustavo Santaolalla ein Profi verpflichtet, der den verschiedenen Klangregionen die passenden stilistischen Hintergründe zu verschaffen vermochte. Selbst Gitarrist und Multiinstrumentalist, passte er sein Quintett an die unterschiedlichen Kulturen an, klang mal chilenisch, mal argentinisch, mal peruanisch, ohne dafür Klischees bemühen zu müssen. So wurde der Soundtrack zu "Diarios de Motocicleta" für sich selbst bereits eine Reise durch die volksmusikalischen Ursprünge Lateinamerikas, auf die man sich gemeinsam mit Santaolalla einlassen kann, aufregend und authentisch, direkt und emotional. Ein Geheimtipp!