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08.10.2004

Letzte Ausfahrt New York

Letzte Ausfahrt New York

Flughäfen sind Symbole der modernen Welt. Als Drehscheiben des internationalen Verkehrs, Projektionsräume für Freiheitsphantasien und Urlaubsträume stehen sie für all das, was den Menschen des 21.Jahrhunderts ausmacht. Steven Spielberg hat daraus eine Parabel auf die Grenzen von Sicherheitsdenken, Mulit-Kulti-Appeal und scheinbar schrankenlose Mobilität gedreht. "The Terminal" mit Tom Hanks in der Hauptrolle ist eben in deutschen Kinos angelaufen. Und wie schon in den meisten von Spielbergs Filmen hat John Williams wieder einen außergewöhnlichen Soundtrack dazu geschrieben.

Viktor Navorski (Tom Hanks) hat Pech gehabt. Als er in seiner osteuropäischen Heimat losflog, war die Welt noch in Ordnung. Als er am New Yorker Flughafen ankam, stellte sich jedoch heraus, dass in der Ferne inzwischen geputscht worden war. Die politischen Veränderungen haben seine Papiere wertlos gemacht und Viktor kann nun weder vor noch zurück. Er muss sich in der eigenartigen Zwischenwelt des Terminals einrichten und mit Sicherheitsbeamten, Flugbegleiterinnen, Reinigungspersonal herumschlagen. Wie in beinahe allen seinen Filmen gelingt es Spielberg, am Beispiel des Individuums die Absurdität menschlichen Handelns darzustellen. Ebenfalls wie in den meisten seiner Welterfolgen gehört auch eine gehörige Portion Humor und Emotion dazu, die letztlich eine Lösung des Konfliktes ermöglichen. Von den Verbrüderungen mit den mexikanischen und indischen Hilfsarbeitern bis hin zur Romanze mit der hübschen Flugbegleiterin Amelia (Catherine Zeta-Jones) werden alle Register gezogen, um aus dem cleveren Plot auch angenehme und hintersinnige Unterhaltung zu machen. Und wie fast immer hat John Williams geholfen, dem Geschehen auf der Leinwand auch das passende musikalische Gewand zu geben.

"Terminal ist ein romantisches Abenteuer des menschlichen Geistes", meint Spielberg selbst und fügt hinzu: "Viktor Navorski mag ein Mann ohne Heimat sein, aber er ist kein Mann ohne Musik, geschrieben mit der Liebe und dem speziellen Humor von Maestro John Williams. [...] In Johns Musik zu Terminal ist so viel Schönheit verborgen. Schönheit ohne Pathos. Und das ist es, was Viktors und Amelias Geschichte zu etwas Besonderem macht, sie fern von der Sentimentalität zu halten, aber nie fern von unseren Herzen. Für mich ist das der 'Wohlfühl'-Soundtrack in Johns kompletten Repertoire, und es ist immer wieder eine große Ehre für mich, das er so freigiebig seine musikalischen Geschenke an diesen und die Soundtracks meiner anderen Filme vergeben hat". Tatsächlich ist Williams in diesem Fall eine Atmosphäre gelungen, die über die eigentliche Handlung hinausreicht. Allein schon das osteuropäisch inspirierte, von Emily Bernstein gespielte Klarinettenthema Viktors klingt wie eine vergessene Melodien von Mussorgsky. Das großartig geführte Orchester wiederum macht aus den Variationen eine farbige Suite musikalischer Ereignisse. So entwickelt auch der Soundtrack zu Terminal sein Eigenleben, kraftvoll und subtil zugleich, ein Glanzstück vom Souverän der Filmmusik.