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24.09.2004

Die Alternative

Die Alternative

Manchmal muss man den längeren Atem haben. Als vor rund zwei Jahren eine neue Sichtweise ausprobiert wurde, klassische Musik zeitgemäß zu präsentieren, gaben sich die Meinungsführer der Szene zunächst skeptisch. Bach nach Mitternacht, Mozart zum Chillen, Beethoven zum Clubben - das schien manchem sehr gewagt zu sein. Doch inzwischen sieht es anders aus. Die "Yellow Lounge" hat sich nicht nur zum gefragten Ausgehtipp gemausert, sondern trägt mit der ergänzenden CD-Edition den Esprit der Club-Abende in die Wohnzimmer. Eben ist die dritte Folge der Serie erschienen, ein souveräner und stimmungsvoller Streifzug durch die Musikjahrhunderte.

Natürlich steht und fällt ein Projekt wie die "Yellow Lounge" mit dem Mann am Pult, der die Musik in die richtige Reihenfolge und das passende Stimmungsverhältnis bringt. Nachdem zu Beginn einige Profis ausprobiert und Erfahrungen in diesem noch gänzlich unbeackerten Terrain gesammelt wurden, zeichnete es sich vor rund etwa eineinhalb Jahren ab, dass David Canisius mit den Szenegänger im Berliner "Cookies" besonders gut umgehen konnte. Denn der Geiger des Deutschen Kammerorchesters Berlin traf den Ton der Abende, nicht zu extravagant, aber auch nicht zu etabliert, in der Mitte zwischen Wiedererkennen und Überraschung: "Das Projekt hat mich von Anfang an fasziniert. Schließlich ist es nicht einfach, pop-verwöhnte Ohren mit klassischer Musik bei Laune zu halten. Mittlerweile ist die Yellow Lounge eine Institution im Berliner Nachtleben. Am ersten Montag eines jeden Monats strömen mehr als 700 Gäste ins Berliner Cookies. Der Andrang ist momentan so groß, dass sich ab 20 Uhr - eine Stunde vor dem Einlass - eine Schlange vor dem Club bildet und wir spätestens um 22:30 Uhr die Türen schließen lassen müssen, da der Club nicht mehr Leute fasst." Wer es dann geschafft hat, einen Platz zu ergattern, kann eine Nacht lang ein beeindruckendes Spektrum musikalischer Hörjuwelen erleben, die man sonst kaum in dieser Form geboten bekommen, in feinstem Sound und in der Regel ergänzt durch einen Live-Auftritt von Stars wie Anne Sofie von Otter oder Hilary Hahn.

Club ist das eine, eine CD jedoch eine ganz andere Sache: "Jede Yellow-Lounge-CD ist eine Herausforderung. Man steht während des Abends an den Reglern, sieht die Leute und spürt deren Reaktion, kann ablesen, in welcher Stimmung sie sind, und reagiert darauf. Die Clubnacht ist etwas ganz Fließendes und Lebendiges. Diese Stimmung auf eine CD zu transferieren, ist hingegen ein kleines Kunststück." Und so ist Canisius in sich gegangen und hat eine virtuelle Clubnacht konzipiert, die den Hörer von Maurice Ravel über Philip Glass, Francis Poulenc oder auch Henryk Górecki bis hin zu Johann Sebastian Bach führt. Große Interpreten wie Martha Argerich, Leopold Stokowski oder Hélène Grimaux unterstützen ihn mit ihren Versionen der Meisterstücke, so dass eben jener Fluss der Meisterwerke entsteht, den der DJ im Sinn gehabt hatte. Die dritte Folge der "Yellow Lounge" für die atmosphärische Nachbereitung daheim oder schlicht für den klassischen Hörgenuss zwischendurch ist daher ebenso anspruchsvoll und zugleich unterhaltsam wie schon die Vorgänger. Und das Konzept erweist sich einmal mehr nicht nur als tragfähig, sondern als zukunftsweisend.