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10.09.2004

Der Rückkehrer

Der Rückkehrer

James Galway dürfte der einzige Flötist sein, dem es bislang gelang, dreizehn Wochen lang mit einem Instrumental in den britischen Top Ten geblieben zu sein. Der ungewöhnliche Erfolg, der ihm 1978 mit der Cover-Version von John Denvers "Annie's Song" beschieden war, ist aber nicht die einzige Visitenkarte, die der Mann aus Belfast zu überreichen hat. Denn er gilt als einer der besten Instrumentalisten seines Fachs und präsentiert sich nun nach 25 Jahren Label-Pause mit seiner Solo-CD "Wings Of Song" zurück bei der Deutschen Grammophon.

Sein künstlerischer Lebensweg brachte James Galway im Laufe der Jahre mit sehr unterschiedlichen Sparten des Geschäfts zusammen. Geboren wurde er am 8.Dezember 1939 im irischen Belfast. Dort lernte er zunächst die traditionellen Whistles spielen, übte sich aber bereits an der klassischen Flöte und gewann als Zwölfjähriger den Wettbewerb in Ulster. Auf diese Weise bekam er die Möglichkeit, nach London zu gehen, um am Royal College Of Music bei John Francis und an der Guildhall School bei Geoffrey Gilbert zu studieren. Galway machte seine Sache so gut, dass er bald darauf ein Stipendium für weiteren Unterricht in Paris bekam, wo er seine Technik und Ausdrucksfähigkeit 1960/61 bei Jean-Pierre Rampal und Gaston Crunelle perfektionierte. Die ersten Engagements führten ihn zunächst in Orchestergraben des Royal Shakespeare Theaters in Stradford-on-Avon, dann nach Covent Garden (1964), wo er zum Solo-Flötisten ernannt wird. Nachdem er den Brimingham-Wettbewerb gewonnen hatte, wechselte Galway 1966 zu den Londoner Symphonikern, dann zum Royal Philharmonic Orchestra. Herbert von Karajan wiederum warb ihn 1969 für die Berliner Philharmoniker ab, bei denen er bis 1975 blieb. Daraufhin versuchte er sich erfolgreich als Solist - bis in die Hitparaden - reduzierte aber nach einem Unfall seine Tätigkeit vehement. In den Achtzigern spielte er nur ausgewählte Konzerte, unterrichtete an der Eastman School of Music, schrieb seine Memoiren und arbeitete für das britische Fernsehen.

Doch auf Dauer genügte ihm das nicht und so ließ er sich zu einem Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon bewegen, der ihn nach langer solistischer Pause wieder dem großen Publikum präsentiert. "Wings of Song" wurde im vergangenen Juni gemeinsam mit den Londoner Symphonikern unter der Leitung von Klauspeter Seibel in den Londoner Abbey Road Studios aufgenommen und ist eine Klangreise durch drei Jahrhunderte harmonischer und stimmungsvoller Musik. Die Stilpalette reicht von Bachs "Siciliano BWV 1017" über Schuberts "Ave Maria" und Brahms "Wiegenlied" bis zu einer Bearbeitung des zweiten Satzes von Rodrigos "Concierto de Arajuez" und der Weltersteinspielung von Howard Shores "A Lord Of The Rings Suite". Dabei zeigt Galway mit makellosem Ton und hervorragender Linienführung einmal mehr, warum er zur internationalen Elite seines Fachs gehört. Denn ästhetischer und geschmackvoller als der berühmte Ire kann man die Flöte kaum noch spielen. Ein Genuss für die Ohren.