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20.08.2004

Der Gewaltige

Der Gewaltige

Dramatische Tenöre, denen die Balance zwischen Ausdruck und Pathos gelingt, waren schon immer rar. James McCracken gehörte zu dieser seltenen Spezies und war in der Lage, Wagner ebenso überzeugend zu singen wie Verdi oder Weber. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere mietete die Decca 1965 sich mit ihm für vier Tage im Wiener Sophiensaal ein und nahm mit dem Wiener Opernorchester unter der Leitung von Dietfried Bernet ein Recitalprogramm auf. Es wurde ein beeindruckendes und erfolgreiches künstlerisches Dokument, das Anspruch, Können und große musikalische Gesten auf einer Langspielplatte verewigte. Im Rahmen der Classic Recitals ist es nun auch auf CD erhältlich.

James McCracken (1926-88) stammte aus dem Städtchen Gary in Indiana. Seine ersten musikalischen Gehversuche machte er im Kirchenchor und dem Musikensemble der örtlichen High School. Dann kam der zweite Weltkrieg und er wurde, fast noch ein Teenager, zur Armee geholt. Als er mit 19 Jahren wieder entlassen wurde, schrieb er sich zunächst an der Columbia University ein. McCracken erweis sich als gelehriger und begabter Schüler und begann noch während seiner Studien bei Wellington Esekiel, sein Taschengeld durch Musicaljobs am Broadway aufzubessern. So war er bereits häufig auf der Bühne gestanden, als er 1952 sein offizielles Operndebüt in Central City gab.

Von da an ging es allerdings relativ schnell mit der Karriere. Bereits im folgenden Jahr verpflichtete ihn die Metropolitan Opera für eine "La Bohème"-Partie und dort blieb er auch während der kommenden Spielzeiten in verschiedenen Rollen. Ganz zufrieden war McCracken jedoch mit seinen stimmlichen Fähigkeiten noch nicht und so ging er von 1957 an nach Europa und perfektionierte seine Technik bei Marcello Donati in Mailand. Er wurde 1959 zunächst an die Bonner, dann an die Züricher Oper engagiert und ein Jahr später gelang ihm der Durchbruch als "Othello" in Verdis gleichnamiger Oper. Diese Rolle wurde zu seinem Markenzeichen, mit dem er in den folgenden Monaten auch in Washington, Wien und 1964 anlässlich seines Debüts am Londoner Covent Garden brillierte. Von 1963 an sang er vorwiegend an der Met und war dort als unter anderem als Florestan ("Fidelio"), Radames ("Aida"), Don José ("Carmen"), Canio ("I Pagliacci") oder Samson ("Samson et Dalila") zu erleben.

Sein Debüt in Salzburg gab McCracken 1963 als Manrico aus dem "Trovatore". Und so war auch der Weg nach Wien nicht mehr weit. Inzwischen zum international gefragten dramatischen Tenor gereift, beschloss daher die Decca, im April 1965 mit ihm ein eigenes Recital aufzunehmen. Das Programm war anspruchsvoll und enthielt unter anderem die Wagner-Arien "Hör' an, Wolfram" ("Tannhäuser"), "Morgendlich leuchtend im rosigen Schein" ("Die Meistersinger von Nürnberg"), Webers "Nein! Länger trag' ich nicht die Qualen" ("Der Freischütz"), Verdis "Ah! si ben mio" ("Il Trovatore"), "La vita è inferno" ("La forza del destino"), "Nuin mi tema" ("Othello") und Gounods "Quel trouble inconnu me pénètre" ("Faust"). Wie erhofft zog McCracken alle Register seines Könnens und überzeugte durch sowohl kraftvolle, wie differenzierte Darstellung und trotz vielsprachiger Vorlagen ausgezeichneter Diktion. Begleitet wurde er vom Wiener Opernorchester unter der Leitung von Dietfried Bernet, das wiederum mit profunder Bühnenmusikerfahrung den passenden Klangrahmen zu gestalten vermochte. So wurde "McCracken On Stage" zur Visitenkarte eines herausragenden Interpreten, die seinen Ruf als Weltklassetenor weiter festigte.