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13.08.2004
Claudio Abbado

Auferstanden

Claudio Abbado, Auferstanden

Der 14. August 2003 wurde von vielen Klassikliebhabern mit Spannung erwartet. Zum einen meldete sich an diesem Abend Claudio Abbado nach schwerer Krankheit am Pult zurück. Er dirigierte aber nicht einfach ein fertiges Orchester, sondern ein neues Ensemble aus internationalen Solisten, das Lucerne Festival Orchestra. Und er hatte mit Claude Debussys "La Mer" unter anderem ein Werk im Programm, dass bislang von ihm nicht auf Platte erhältlich war. In den folgenden Tagen ließ er außerdem Mahlers "Auferstehungssinfonie" folgen, beide Werke in einer ästhetischen Reinheit, die Presse und Publikum verzückte.

Die Idee des Luzerner Festivalorchesters als Ensemble der besten ihrer Generation ging bis in die dreißiger Jahre zurück. Damals hatte Toscanini außerhalb von Richard Wagners Villa eine einmalige Formation für ein Konzert zusammengestellt, die sich aus dem Orchestre de la Suisse Romande und verschiedenen Kammermusikformationen wie etwa um den Geiger Adolf Busch rekrutierte. Dieses Unikum ging bald darauf in die Institution des Schweizer Festival Orchesters über, das bis 1993 das Stammensemble des Luzern Festivals darstellte. Doch dann schien die Tradition zu versiegen, bis Claudio Abbado und der Festivaldirektor Michael Haeflinger sich daran machten, die Idee unter neuem Vorzeichen wieder zu beleben. Man sah sich um nach geeigneten Beteiligten und stellte ein neues Spitzenorchester von Individualisten und ausgezeichneten Solisten zusammen. Mit dabei waren unter anderem das Hagen Quartet (ohne die Bratschistin Veronika Hagen), Teile des Bläserensembles der Klarinettistin Sabine Meyer, Koryphäen wie der Geiger Kolja Blacher, der Trompeter Reinhold Friedrich, der Oboist Albrecht Meyer, der Bassist Alois Posch. Claudio Abbado, der bereits seit 1966 mit dem Festival verbunden ist, empfahl außerdem Musiker des Mahler Kammerorchesters weiter und so wurde aus der Idee eine Wirklichkeit, die selbst ausgebuffte Klassikspezialisten erstaunte.

 

Denn Debussy wie Mahler wurden von Abbado und dem Lucerne Festival Orchestra mit derartiger Intensität dargeboten, dass sich die Presse förmlich überschlug. "Das Wunder von Luzern", meinte beispielsweise der Berliner Tagesspiegel zu "La Mer" und fuhr fort: "Eine in ihren Proportionen derart perfekt ausbalancierte, instrumental so hinreißend elegant dargebotene und klanglich sonnenglitzernde Aufführung der Meeres-Symphonie zu erleben, ist ungefähr so rar, wie beim Muschelessen auf eine Perle zu stoßen. Mit der allergrößten Selbstverständlichkeit stimmt hier einfach alles. Je mehr Abbado das spürt, desto freier wird er in seinen Bewegungen, desto freundschaftlicher wendet er sich seinen brillanten Musikern zu. Immer mehr steigern sich Dirigent und Orchester in die Euphorie des Gelungenen, bis am Ende kein Halten mehr ist, der entfesselte Abbado das Tempo ins Rasante reißt, den Taumel auskostend bis zum letzten, schaumbekrönten Brecher. Eine Sternstunde".

 

Und zu Mahlers "Auferstehungssymphonie" konnte man in der Neuen Züricher Zeitung lesen: "Abbado, der auf reiche Erfahrung als Mahler-Dirigent zurückblickt, weiß wie kein zweiter die Schönheiten der Partitur herauszustellen und dabei den Kitsch zu vermeiden, aber auch die Musik ihre Geschichte erzählen zu lassen und gleichzeitig die Ausführlichkeit dieser Erzählung zu bändigen. Es gelingt ihm, weil er die einzelne Phrase mit vibrierender Vitalität erfüllt und gleichzeitig bis hin in die Momente der Ekstase die Transparenz der Strukturen wahrt: zum Beispiel mit untrüglichem Sinn für Tempo und Rhythmus Zusammenhänge schafft und die Farben der blendend instrumentierten Partitur zur Geltung kommen lässt". Zwei Urteile, denen man nichts mehr hinzufügen muss, außer dass diese Höhepunkte des Konzertjahres 2003 nun auf einer preisgünstigen Doppel-CD auch für den zu erwerben sind, der nicht das Glück hatte, in Luzern im Publikum zu sitzen.