Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

06.08.2004

Spiel und Ernst

Spiel und Ernst

In Frankreich war es einer der Überraschungserfolge des vergangenen Kinojahres. Yann Samuell, der sich bislang vorwiegend als Illustrator und Storyboard-Künstler durchgeschlagen hatte, schrieb das Drehbuch zu "Jeux D'Enfants", führte außerdem Regie und präsentierte einen düsteren Liebesfilm mit Märchenelementen, der das Publikum mit sich riss. Jetzt kommt die Geschichte unter dem Titel "Liebe mich, wenn du dich traust" in die deutschen Kinos. Und der elegante Soundtrack von Philippe Rombi in die Läden.

Die Geschichte beginnt in einer belgischen Kleinstadt. Julien Janvier stammt aus gehobenen bürgerlichen Verhältnissen, Sophie Kowalski aus einem Scherbenviertel im Plattenbetonstil. Beide gehen in die gleiche Klasse. Obwohl sie aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen kommen, freunden sie sich an und verlieben sich auf kindlich platonische Weise. Eines Tages beschließen sie ein gemeinsames Bündnis und denken sich ein Spiel aus, dass sie in immer neue Varianten fortsetzen. Im Mittelpunkt steht eine Spieldose, die als Pfand für verschiedene Mutproben immer vom einen zum anderen wandert. Die beiden setzen diesen Wettbewerb über das Teenageralter fort, bis sie erwachsen werden. Julien (Guillaume Canet, 'The Beach') und Sophie (Marion Cotillard, 'Big Fish') stellen fest, dass sich die kindliche Zuneigung in eine Form von Liebe verwandelt hat, die sie sich aber nicht zugeben können. Also machen sie weiter mit ihrem Spiel und werden in den Mutproben immer extremer, bis sich die Frage stellt, ob die Liebe oder das Spiel siegen wird. Dabei inszeniert Yann Samuell den Konflikt bewusst in offener Weise, so dass dem Zuschauer unterschiedliche Deutungen bleiben, und bezieht sich auf sehr gegensätzliche Referenzen, die von 'Trainspotting' (Stimmungsmomente) und 'Fight Club' (Schnitt) bis 'Mary Poppins' (einfache Botschaft) reichen.

Für die Musik hat er sich einen Kollegen geholt, der während der vergangenen Jahre mit kleinen, aber feinen Projekten bekannt geworden ist. Philippe Rombi war für die Soundtracks von Filmen wie 'Unter dem Sand' (2000), 'Flucht wider Willen' (2001), 'Schwalbe macht den Sommer' (2002) und 'Swimming Pool' (2003) zuständig und erwies sich als ausgezeichneter Begleiter. "Er kannte meinen Film bald genauso gut wie ich und behielt doch die Fähigkeit zur Frische, ihn jedesmal aus der Perspektive eines Zuschauers zu sehen, der ihn gerade entdeckt. Eines Tages dachte ich dann an berühmte Partnerschaften wie Fellini / Rota, Demi / Legrand, Leone / Morricone, Spielberg / Williams oder Burton / Elfman und habe mir gesagt, dass man ebenso einen Namen an den von Rombi heften müsste. Vielleicht eines Tages, wenn ich es verdiente, wäre es ... ein schöner Traum!" (Samuell). Rombi jedenfalls entwickelte ein fließendes, stellenweise sentimentales Klanggewand, das zum einen auf romantischen und klavierzentrierten Orchesterpassagen, zum anderen auf verschiedenen Versionen des Chansonklassikers "La Vie en Rose" basiert - mal mit Jazzstar Louis Armstrong, mal mit der Discoqueen Donna Summer oder dem brasilianischen Trio Esperança als Interpreten. So setzt sich eine vielseitige Mischung unterschiedlicher Klangräume zusammen, die auch ohne Bilder ihren Charme spielen lassen kann.