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30.07.2004

Grüße vom Olymp

Grüße vom Olymp

Mikis Theodorakis ist einer der bekanntesten Griechen überhaupt. Das liegt zum einen am Welterfolg von "Alexis Zorbas", der seine Musik international berühmt gemacht hat. Es liegt aber auch an seinem politischen Engagement, das ihn vor allem während der Zeit der Militärjunta medienwirksam gegen den Terror hat protestieren lassen. Neben diesen Facetten seiner Persönlichkeit wurde beinahe vergessen, dass er auch ein ausgezeichneter Symphoniker ist. Die Zusammenstellung mit neuen Aufnahmen unter anderem von Theodorakis' Ballett-Suite "Zorbas" könnte den Blick für seine orchestrale Kompetenz nun schärfen.

Die Wende kam mit Beethoven. Als der junge Mikis während der Besetzung seines Landes im zweiten Weltkrieg einen deutschen Propagandafilm sah, in dem die Neunte mit der Ode "An die Freude" gespielt wurde, war er schlagartig von Begeisterung für Musik erfasst worden. Er begann, am Athener Konservatorium zu studieren, wurde aber wegen seiner kommunistischen Gesinnung 1947 auf der Insel Ikaria interniert. Dort kam er über die Mitgefangenen mit der urbanen Volksmusik Griechenlands in Verbindung und besann sich daraufhin auf seine Ursprünge. Erste Kompositionen entstanden wie etwa das Ballett "Karnavali", das 1953 in Paris uraufgeführt wurde. Überhaupt schien die französische Metropole einiges für den jungen Mann bereit zu halten. Er setzte sein Studium fort, lernte Orchesterleitung bei Eugène Bigot und Komposition bei Olivier Messiaen. Sein eigener Stil unterschied sich aber deutlich von den neumusikalischen Tendenzen der Fünfziger. Theodorakis hatte einen Hang zur Romantik und so entsprachen seine Werke eher einem schwärmerischen Ideal des 19.Jahrhunderts als dem nüchternen Blick der Avantgarde. Ende der Fünfziger jedenfalls gehörte er bereits zu den gefeierten Komponisten seines Landes, Ballette wie "Antigone" wurden unter großem Beifall am Covent Garden aufgeführt.

Als besonders einträglich jedoch erwies sich die Boomsparte Filmmusik. Was zunächst als reiner Brotjob angefangen hatte, entwickelte sich bald zu einem Haupterwerb mit viel Renommee. Als 1964 Michael Cacoyannis nach einer Vorlage von Nikos Kazantzakis den Film "Alexis Zorbas" drehte, gelang es Theodorakis, dem von Anthony Quinn dargestellten ruppigen mazedonischen Bergarbeiter ein Lebensgefühl auf den Leib zu schreiben. Seitdem gilt das berühmte "Zorba"-Thema als der Ausdruck der griechischen Folklore schlechthin und sein Komponist als eine Art Nationalheld.

Allerdings musste er bis zur endgültigen Anerkennung noch viel Schikane über sich ergehen lassen. Da er sich lautstark gegen die Militärdiktatur (1967-74) zu Wort meldete, wurde er erst interniert, dann 1970 zwangsexiliert und lebte fortan wieder in Paris. Erst als nach dem Sturz des totalitären Regimes sich langsam demokratische Verhältnisse in Griechenland einstellten, kam Theodorakis wieder dazu, sich mehr seinen opulenten orchestralen Werken zuzuwenden. Für das CD-Portrait konnte nur ein kleiner Ausschnitt seines Oeuvre ausgewählt werden. Die Aufnahmen entstanden zwischen 2000 und 2004 in Watford und Montréal mit dem Chor und Symphonieorchester Montréals unter der Leitung von Charles Dutoit. Sie umfassen den zweiten Teil des Balletsuite "Zorbas", ein wunderbar charmantes "Adagio for Solo Flute, String Orchestra And Percussion" und Stücke aus der frühen Ballettmusik "Karnavali". Das ist nur ein kleiner Ausriss aus einem umfangreichen Werkkomplex, aber einer der Lust macht auf mehr von dieser wunderbaren, emphatischen Musik.