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23.07.2004

Der falsche Engel

Der falsche Engel

Auf kein anderes Werk hat Sergei Prokofiev ähnlich viel Energie verwandt wir auf "L'Ange de Feu". Trotzdem ist es heute nur mehr Insidern ein Begriff. Das liegt nicht nur daran, dass er musikalisch neue Wege ging, sondern auch an dem eigenartig verschwurbelten Stoff, den er als Grundlage seines Librettos gewählt hatte. Jetzt ist die Weltersteinspielung des Werkes an der Pariser Oper von 1957 auf CD erschienen. Eine Pionierleistung.

Für einige Zeit zog sich Sergeij Prokofiev 1922 nach Ettal bei Oberammergau zurück. In der Nähe des für seine Passionsspiele bekannten bayerischen Städtchens erhoffte er sich die passende Inspiration für sein Opernprojekt "L'ange de Feu" ("The Fiery Angel", "Der Flammenengel"). Das Libretto ging auf eine Erzählung von Bryusov zurück, die 1907 in Russland erschienen war. Und es musste einiges an abstrusen Situationen in einen möglichst stimmigen Plot integrieren. Die Handlung spielte im 16.Jahrhundert im Kölner Raum. Der Landsknecht Ruprecht hat sich in Renata verliebt, der seit Jahren Wahnvorstellungen von einem Flammenengel erscheinen. Sie wiederum liebt diese Vision, die nun in Gestalt von Graf Heinrich Wirklichkeit werden soll. Ruprecht und Renata machen sich auf, diesen Edelmann zu suchen, studieren allerlei Okkultes und bekommen Böses geweissagt. Endlich finden sie den Herrn, doch er beachtet Renata gar nicht. Sie stachelt daher Rupprecht auf, Heinrich zum Duell zu fordern, woraufhin der Landsknecht schwer verwundet wird. Er erkennt im Fieberwahn seine Gefährtin nicht mehr wieder, die ihm diesmal ihr Liebe gesteht. In einer Kneipe kommt es zur weiteren Auseinandersetzung. Faust und Mephisto treten auf, Renata sticht auf Ruprecht ein, flieht und geht ins Kloster. Dort schließlich wird sie von der Oberin als Hexe denunziert und schließlich im Beisein Ruprechts, Fausts und Mephistos von den Inquisitoren verbrannt.

Prokofiev mühte sich ausgiebig, aus diesem Stoff, an dem er Gefallen gefunden hatte, eine Oper zu formen. Uraufgeführt wurde sie, - obwohl Bruno Walter sie bereits 1926 an der Berliner Städtischen Oper präsentierten wollte - erst nach seinem Tod am 25. November 1954 in Paris. Die raffinierte Konstruktion des Werkes, die Wagners Leitmotivik konsequent auf die Protagonisten und in eine expressionistische Stilsprache übertrug, wurde von den Zeitgenossen der Zwischenkriegszeit ebenso wenig erkannt wie von den sowjetischen Machthabern, mit denen der Komponist sich seit seiner Rückkehr in die UdSSR auseinandersetzen musste. Um so mehr feierte man sie posthum. Bereits drei Jahre nach der Premiere machte man sich an der Pariser Oper an eine Plattenaufnahme des "L'Ange de Feu". Die Renata wurde von Jane Rhodes, der Landsknecht Ruprecht von Xavier Dephraz gesungen. Die künstlerische Leitung hatte Jacques Pradère, dem mit der Einspielung ein Standardwerk gelang. Immerhin zwei renommierte Preise (Grand Prix du Disque der Académie du Disque français und der Académie Charles Cross) bekam die Aufnahme verliehen, die nun endlich auch auf CD erhältlich ist.