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16.07.2004

Homage To Mahatma Gandhi

Ravi Shankar, Homage To Mahatma Gandhi

Im Mai verblüffte Sonia Gandhi die indische Nation. Nachdem die Chefin der Kongresspartei entgegen aller Erwartungen die Präsidentschaftswahlen gegen die nationalistische Hindupartei BJP gewann, weigerte sie sich, das Amt der nächsten Präsidentin Indiens anzutreten. Allem Anschein nach aus Angst vor einem Attentat, denn die Gandhi-Nehru-Dynastie hat das tragische Charisma eines Kennedy-Clans in Indien: Sonia Gandhis Ehemann Rajiv Gandhi fiel 1991 in Madras einem tamilischen Selbstmordattentäter zum Opfer. Rajivs Mutter, Indira Gandhi, wurde 1984 von einem ihrer Bodyguards, einem Sikh, umgebracht.

Eine der größten Tragödien der Menschheitsgeschichte ist das Attentat, dem 1948 Mohandas Karamchand "Mahatma" Gandhi, die "große Seele" der indischen Demokratie zum Opfer fiel. Der Rechtsanwalt und Prediger von Gewaltlosigkeit hatte nach der Unabhängigkeit Indiens den Hass von Hindu-Fundamentalisten auf sich gezogen, die ihn für die Abspaltung Pakistans verantwortlich machten.

 

Wenige Tage nach dem Mord, der die Welt erschütterte, stimmte der Sitarspieler Ravi Shankar sein Instrument vor einer Aufführung beim All India Radio, als ihn der Produzent der Sendung darum bat, etwas zur Ehre Mahatma Gandhis zu spielen. In fieberhafter Inspiration improvisierte Ravi Shankar die Raga "Mohan Kauns". Er nahm Silben aus Gandhis Namen (und seinen Beinamen), die gleichzeitig Noten des indischen Tonsystems bezeichnen und komponierte von ihnen aus das Stück, das mit unterschwelligen, geisterhaften Basstönen beginnt, die in ein kraftvolles Crescendo münden, das den Triumph Gandhis symbolisieren sollte. 33 Jahre später schrieb Ravi Shankar die Musik zum Biopic "Gandhi" des amerikanischen Regisseurs Richard Attenborough. Kein indischer Bollywood-Produzent hatte sich davor an das Thema herangewagt, Shankar nominierte man für seinen Beitrag 1982 für einen Academy Award. "Mohan Kauns" wurde in den späten 70er-, die beiden Stücke aus dem "Gandhi"-Soundtrack in den frühen 80er-Jahren als LPs veröffentlicht. Auf der neuen CD "Homage To Mahatma Gandhi" erscheinen sie nun erstmals im digitalen Format.

 

Ravi Shankar, 1920 in Varanasi geborener Brahmane, ist der Vater von Norah Jones. Davon abgesehen ist die Bedeutung vom "Mozart Indiens", wie ihn einmal Yehudi Menuhin nannte, für die klassische Musik des Subkontinents heute größer denn je, denn die boomende indische Musikindustrie lässt das Klassik-Genre zunehmend links liegen. Shankar ist als Botschafter der indischen Sitarmusik seit den 50er-Jahren umjubelt worden. Seine 1969 erschienene Autobiografie "My Music My Life" gilt als beste Einführung in Indiens Klassik. Die Liste der westlichen Kollaborateure Shankars ist lang, sie enthält Yehudi Menuhin, André Previn und das LSO, die Beatles oder Philip Glass. Jenseits aller Weltmusik-Klischees offenbart seine "Homage To Mahatma Gandhi" die seit Jahrhunderten von Lehrer zu Schüler weitergegebene, hoch entwickelte Kunst der Sitarmusik. Shankars friedvolle spirituelle Schwingungen sind dabei ein wertvoller Beitrag auch im heutigen politischen Tagesgeschehen.