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09.07.2004

Krauss und Strauss

Krauss und Strauss

Als Richard Strauss für das Vorwort eines Buches gebeten wurde, seinen Freund und Lieblingsdirigenten Clemens Krauss zu charakterisieren, notierte er: "Clemens Krauss nimmt als treuer Apostel in regem gedanken- und Erfahrungsaustausch schöpferisch an meinem Lebenswerk teil". Mit anderen Worten: Ohne den österreichischen Maestro würden sich einige der Kompositionen anders anhören. So auch die "Salome", deren berühmte Version von 1954 nun zum ersten Mal international auf CD erhältlich ist.

Clemens Krauss stammte aus Wien. Noch im 19.Jahrhundert geboren, rutschte er in die Generation junger Männer hinein, die vom Epochenumbruch des Ersten Weltkriegs geprägt wurden, allerdings ohne nachhaltige Schäden an der eigenen Person wie bei anderen jungen Zeitgenossen. Krauss schaffte es nach seinem Studium am Wiener Konservatorium bei Hermann Grädener und Richard Heuberger noch 1912 in Brünn als Chorleiter angestellt zu werden. Das nächste Angebot kam vom Deutschen Theater in Riga (1913/14), dem Stellen in Nürnberg (1915/16), Stettin (1916-21) und Graz folgten (1921). Im folgenden Jahr dirigierte er neben Franz Schalk an der Wiener Staatsoper. Deren Leiter wiederum war Richard Strauss, der bald auf die besonderen Ausdrucksqualitäten des jungen Mannes aufmerksam wurde. Bald entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den zwei Kreativen, die für beide Seiten von Vorteil war. Strauss hatte jemanden gefunden, der seine musikalischen Ideen seiner Meinung nach perfekt auf die großen Ensembles übertrug. Krauss wiederum hatte einen mächtigen Mentor im Rücken, der ihm bei manchen Karriereschritten, etwa der Berufung an die Berliner Oper 1935 und an die Münchner Oper 1937, half. Da er sich während des Nationalsozialismus mit den Machthaber arrangieren konnte, war Krauss nach dem Zweiten Weltkrieg der kulturellen Szene suspekt. Er durfte bis 1947 nicht dirigieren, nützte aber die Zeit, um das Mozartheum zu reorganisieren. Von 1950 an war er auch in Wien wieder gern gesehen und so avancierte er bis zu seinem überraschend frühen Tod 1954 während einer Konzerttournee in Südamerika zu einem der zentralen Dirigenten der musikalischen Konsolidierungsjahre.

Die Freundschaft von Strauss und Krauss war außergewöhnlich eng. Tatsächlich ging sie soweit, dass auf Anraten des Dirigenten die Opern "Die ägyptische Helena" und "Arabella" überarbeitet wurden. Strauss widmete Krauss den "Friedenstag" (1938) und das "Capriccio" (1942), der wiederum die Uraufführungen etwa von "Tanzsuite nach Klavierstücken von F. Couperin" (1923), "Arabella" (1933), "Die Liebe der Danae" (1952) und "Divertimento op.86" (1943) leitete. Die vorliegende Aufnahme der "Salome" wiederum fiel in eine neue Phase der Zusammenarbeit von Krauss mit der Wiener Staatoper, die 1950 begonnen hatte. Zu der jungen nachrückenden Generation an Interpreten gehörte auch die Sopranistin Christel Goltz, die von der Dresdner Oper nach Wien gewechselt war. Ihr beachtlicher Tonumfang und ihre dramatische Begabung prädestinierten sie für die Titelrolle. Mit dem Bariton Hand Braun (Jochanaan), dem Tenor Julius Patzak (Herodes) und dem Tenor Anton Dermota (Narraboth) wurden ihr außerdem ausgezeichnete Kollegen zur Seite gestellt. Verbunden mit Krauss' umsichtiger, emotional ausdruckstarker und zugleich kontrollierter Leitung der Wiener Philharmoniker entstand im März 1954 ein Klassiker, der - obwohl mono - maßgeblich die Klangvorstellung der "Salome" der folgenden Jahrzehnte beherrschte.