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02.07.2004

Dimitri und Katiusha

Dimitri und Katiusha

Den Musikhistorikern ist Franco Alfano vor allem als Vollender von "Turandot" bekannt, Puccinis finaler Oper, die er auf Bitten Toscaninis 1925 um ein beeindruckendes Finale ergänzte. Davor allerdings hatte er bereits als eigenständiger Bühnenautor von sich reden gemacht. Sein erfolgreichstes Werk "Risurrezione" (= "Auferstehung") brachte es nach seiner Uraufführung 1904 im Laufe der kommenden Jahrzehnte auf mehr als tausend Aufführungen.

Die Vorlage zu "Auferstehung" stammte von Tolstoi. Ein gleichnamiges Schauspiel war um 1900 erschienen und entwickelte sich rasch zum Bestseller. Es war eine traurige Geschichte, die vom Prinzen Dimitri erzählt, der seine Jugendfreundin Katiusha eines Tages als begehrenswerte Frau wiedertrifft, sie in einer Liebesnacht vor seiner Abreise in den Krieg schwängert, dann aber links liegen lässt. Sie wiederum ist zu schüchtern, um sich dem Lebemann bei seiner Rückkehr gegenüber zu stellen, und so nimmt das Drama seinen Lauf. Katiushas Kind stirbt, sie selbst wird irrtümlich verurteilt und nach Sibirien geschickt. Dimitri, der inzwischen seine Liebe zu Katiusha wiederentdeckt hat, versucht alles, um sie von diesem Schicksal zu befreien. Doch die Frau bleibt hart und geht ins kalte Arbeitslager, als Reinigung für beider Menschen Sünden. Alfano war schnell gefangen von der Geschichte, schlug George Bataille vor, das Libretto zu schreiben, wich aber nach dessen unverhältnismäßiger Honorarforderung auf Camilo Antona Traversi aus, der den Stoff für die Opernbühne umschrieb. "Ich machte mich mit Begeisterung an die Arbeit", erinnerte sich Alfano später, "eine Begeisterung, die in den fünf Monaten, die ich der Komposition widmete, nicht schwand. Ich kann sagen, dass ich diese Zeit wirklich sehr intensiv erlebte. Ich identifizierte mich mit jeder meiner Figuren. Was sie fühlten, fühlte auch ich. Ohne je nachzulassen".

Alfanons Enthusiasmus übertrug sich auf alle ihn umgebenden Beteiligten des Projektes. Der Verleger Ricordi kaufte das Werk und sorgte dafür, dass der noch junge Komponist die besten Möglichkeiten zur Umsetzung bekam. Inszeniert wurde am Teatro Victor Emmanuele in Turin, der Dirigent war Tullio Serafin, die Sopranistin Elvira Magliuolo. Als es dann am 30.November 1904 tatsächlich zur Uraufführung kam, waren Publikum und Presse begeistert. In der Revue Ars et Labor konnte man lesen: "Die kühne Bearbeitung von Tolstois Drama kann man nur bewundern und bestaunen. Die Leidenschaft ist intakt geblieben, die Kontraste sind respektiert. Der zweite und der dritte Akt ragen durch die Ausdrucksstärke der musikalischen Themen und dramatischen Effekte ebenso hervor wie durch die Pracht der Orchesterpalette". So wurde die "Auferstehung" zu Alfanos beliebtestem Werk, das trotz des Fehlens klassisch italienischer Hit-Arien beim Publikum ankam. In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts aber nahm seine Bekanntheit ab, so das er im Repertoire des engagierten Orchestre National de Montpellier bereits unter der Rubrik "Seltenheit" läuft. Das renommierte Ensemble jedenfalls hat unter der Leitung von Friedemann Layer mit den Solisten Denia Mazzola-Gavazzeni (Katiusha) und Antonio Nagore (Dimitri) in der Opéra Berlioz von Le Corum im Juli 2002 eine bewegende Vorführung gegeben, die nun im Rahmen eines sorgfältig edierten Live-Mitschnitts zugänglich gemacht wurde.