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28.05.2004

Leiser Barock

Leiser Barock

Im Laufe der Jahre hat Göran Söllscher von Piazzolla bis zu Beatles-Transkriptionen so ziemlich alles gespielt. Doch nichts geht ihm über Bach. "Ich werde Bach nie überdrüssig. In seinen Werke finde ich genug Ideen für ein ganzes Leben. Bachs Musik ist dankbar auf der einen Seite, auf der anderen aber sehr schwer zu spielen. Wenn etwas nicht gut klingt, dann liegt es immer an mir nicht an ihm", meint der renommierte Gitarrist und hat daher auch sein Barock-Programm für die elfsaitige Gitarre um drei berühmte Bach-Melodien gestaltet.

Göran Söllscher erinnert sich noch genau an den 30. Dezember 1970. Er war damals 14 Jahre alt und machte sich auf den Weg zur Bahnstation seines schwedischen Heimatortes Kalmar. Denn dort war ein Paket für ihn abgegeben worden, eine Ramírez-Gitarre, die er sich extra aus Spanien hatte kommen lassen. Das Instrument hatte den Transport unbeschadet überstanden und so wurde es zum bevorzugten Klangkörper, mit dem der inzwischen international anerkannte Virtuose bis heute verbunden bleibt. Nur für die Musik des Barocks greift er gerne zu einer Alternative. Denn der Instrumentenbauer Georg Bolin hat ihm ein elfsaitiges Wunderwerk angefertigt, das mit wunderbar reichem und vollem Klang die Charakteristika der Laute mit denen der akustischen Gitarre kombiniert. Darüber hinaus aber hat Söllscher es inzwischen aufgegeben, über Marken zu reden. Denn er hat ein interpretatorisches Niveau erreicht, das ihn von den instrumentalen Gegebenheiten weitgehend unabhängig macht. Und der Weg dorthin führte immer wieder zu und an Bach vorbei.

Geboren 1955 in Vöxyö in Schweden, aufgewachsen in Kalmar, begann Söllscher als Siebenjähriger, Gitarre zu spielen. Er machte seine Sache gut, wurde von der Familie unterstützt - siehe die Ramírez - und beschloss 1975, am Konservatorium von Malmö sein Studium aufzunehmen. Bis 1979 studierte er in Kopenhagen weiter und schaffte ein Jahr vor seinem Abschluss den Einstieg in die Profiliga, als er den "Concours International de Guitare" in Paris gewann. Bald darauf kam das skandinavische Fernsehen, das Debüt in London, 1981 dann ein Plattenvertrag mit der Deutschen Grammophon. Seitdem hat Höllscher sich in verschiedenen Kombinationen (unter anderem im Duo mit dem Geiger Gil Shaham) und Stilmetamorphosen (zum Beispiel mit dem Beatles-Programm "From Yesterday To Penny Lane") dem Publikum präsentiert.

Mit "Elevenstring Baroque" wendet er sich nun dem lautengeprägten Repertoire zu Bachs Lebzeiten zu. Der Meister selbst steht mit den Transkriptionen von "Air", dem "Menuett in G" und der "Sonata No.1 für Solovioline in g-moll, BWV 1001" im Mittelpunkt des Album. Um diesen Kern herum hat Söllscher weniger bekannte Komponisten wie David Kellner, Ernst Gottlieb Baron, Silvius Leopold Weiss und Größen der Epoche wie Johann Pachelbel und François Couperin gruppiert. Eine Besonderheit ist außerdem die "Suite in G-Dur" des reisefreudigen Lautenvirtuosen Johann Anton Logy (1650-1721), die der Gitarrist nach einer auf dem Dachboden im Heimatmuseum von Kalmar gefundenen Handschrift transkribiert hat. So setzt sich Stück für Stück ein ausgesucht geschmackvolles Album zusammen, das in 21 Kapiteln dem Zauber des Barocks nachzuspüren sucht. Und das Höllscher auf ein Neues als eine der Koryphäen seines Instrumentes dokumentiert.