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28.05.2004

Der Metropolit

Der Metropolit

Lange Jahre war Robert Merrill eine der Stützen des Ensembles der Met. Sein strahlender Bariton war dort in mehr als 900 Vorstellungen zu hören, sein schauspielerisches Talent begeisterte das Publikum in vielen großen Rollen der Opernliteratur. Für die Decca begab er sich auf der Höhe seines Ruhmes 1963 in die Walthamstow Assembly Hall, um einige leuchtende und dramatische Partien auf Langspielplatte festzuhalten. In der Reihe "Classic Recitals" ist diese berühmte Aufnahme auf CD nun wieder zugänglich gemacht worden.

Robert Merrill wurde am 4.Juni 1917 in Brooklyn geboren. Sein Mutter Lillian Miller-Merrill war ebenfalls Sängerin und so wundert es wenig, dass sie dem Jungen Unterricht gab, kaum dass sie sein musikalisches Talent entdeckt hatte. Merrill jedenfalls hatte seinen Spaß daran, der bald zu Ernst wurde, als er bei Samuel Margolis im benachbarten Manhattan zur Verfeinerung seiner Sangeskünste geschickt wurde. Sein erster öffentlicher Auftritt auf einer Opernbühne fand 1944 in Trenton als Amonasro ("Aida", Verdi) statt. Richtig los ging es jedoch ein paar Monate später, nachdem er einen von der Met ausgelobten Rundfunk-Wettbewerb gewonnen hatte. Die Talent-Scouts des renommierten Opernhauses waren von Merrills Stimme angetan und so wurde der junge Mann ins Ensemble geholt.

Eine gute Entscheidung, wie sich bald herausstellte. Denn Merrill passte sich nicht nur gut in die von ihm verlangten Rollen ein, sondern schaffte es auch, ihnen mit einiger schauspielerischer Begabung besondere Charaktere zu verleihen. Er sang Georg Germont ("La Traviata", Verdi), der Lord Henry Ashton ("Lucia di Lammermoor", Donizetti), der Escamillo ("Carmen", Bizet) und stieg unter der Leitung von Rudolf Bing zu einem der Stars des Ensembles auf. Selbst schwere und dramatische Rollen gelangen ihm mit vokaler Noblesse, so dass er auch gerne an andere Häuser geladen wurde. Man schätze ihn in Buenos Aires am Teatro Colón, an der Scala in Venedig, London und vor allem in San Francisco. Erst 1975, nach gut drei Jahrzehnten intensiven Engagements, zog er sich langsam von der Bühne zurück.

Für das Arien-Recital von 1963 suchte Merrill sich einen kompetenten Mitstreiter, der seine Ideen von dramatischer Umsetzung nachzuvollziehen verstand. Am Pult stand Edward Downes, im Orchestergraben musizierte das New Symphony Orchestra of London. Auf dem Programm stand vor allem Verdi, Lieder aus den Opern "Otello", "Un Ballo in Maschera", "La Forza der destino" oder auch "Don Carlo", darüber hinaus etwas Leoncavallo und Giordano. Merrill hauchte den Arien mit kraftvoller Nonchalance derart viel Leben und Intensität ein, dass man für einen Moment vergessen konnte, es mit einer Aufnahme zu tun zu haben. Hier singt sich einer Lust und Schmerz von der Seele, bis die Gefühle sich auch in die Herzen der Hörer schleichen. Die Tonqualität der remasterten Aufnahmen ist dabei derart brillant, dass man Merrill förmlich im Zimmer stehen sieht und hört. Ein großartiges Album für Freunde des kraftvollen Männergesangs und der Schönheit der italienischen Oper.