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21.05.2004

Fremdgegangen

Fremdgegangen

Eigentlich war Hilde Gueden eine der beliebtesten lyrischen Sopranistinnen ihrer Zeit und glänzte in den großen Partien von Mozart bis Richard Strauss. Doch sie hatte auch ihren Spaß an der leichten Muse und darüber hinaus reichlich schauspielerisches Talent. Zuweilen konnte man sie in Operettenrollen wiederfinden, die wiederum beim Publikum auf reichlich Begeisterung stießen. So bietet es sich an, für die Reihe Classic Recitals die etwas andere Hilde Gueden auszuwählen.

Ihr Karriere war rasant. Im Kriegsjahr 1917 in Wien geboren, wuchs Hilde Gueden in die goldenen Zwanziger hinein und machte ihrer ersten professionellen Musikerfahrungen während der Jahre an der Wiener Akademie. Sie debütierte 1938 an der Oper von Zürich als Cherubin ("Le Nozze Di Figaro", Mozart) und wurde 1942 an die Münchner Oper engagiert. Von dort aus gelang ihr ein knappes Jahrfünft später der Sprung zu den Salzburger Festspielen, wo sie als Zerlina ("Don Giovanni", Mozart) einen derart durchschlagenden Erfolg hatte, dass sie vom Fleck weg an das Wiener Operhaus geholt wurde. Das wiederum war der Startschuss zur europaweiten Akzeptanz. Bereits nach wenigen Spielzeiten standen Gueden die Bühnen von Glyndebourne bis Covent Garden, von der Scala bis Paris, von Rom bis Venedig offen.

Anno 1950 folgte eine Einladung an die Met, woraufhin sie von 1952 an zu deren festem Ensemble gehörte. Als ein Jahrzehnt später das Große Festspielhaus in Salzburg eingeweiht wurde, war Gueden beim Festakt dabei und sang die Sophie aus dem "Rosenkavalier". Sie schuf sich ihren Namen sowohl als lyrische Sopranistin, wie auch als Koloratursopranistin und war darüber hinaus auch im Konzertsaal mit Lieder- und Arienrecitals erfolgreich. Mit anderen Worten: Gueden war ein Multitalent ihres Fachs, populär und zugleich von der Kritik als herausragende Künstlerin anerkannt. Als sie 1988 starb, trauerte ihr eine große Fan-Gemeinde nach, die mit ihrer Stimme eine besondere Ära der Wiener Musik verband.

Hilde Gueden war auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn, als sie sich entschloss, im Jahr 1961 ein Operettenalbum im Sophiensaal des Wiener Musikvereins aufzunehmen. Und sie tat sich mit einem Maestro des Genres zusammen, der von Strauss und Lehár mehr verstand als irgendein anderer Zeitgenosse. Der bereits 81jährige Robert Stolz hatte zum Teil die Entstehung der von ihm dirigierten Werke selbst miterlebt und war der richtige Mann dafür, das Orchester der Wiener Staatsoper und den Wiener Operetten-Chor gemeinsam mit Gueden durch die Welt der leichte Melodien zu leiten.

Auf dem Programm standen unter anderem Strauss Sohns "Wiener Blut", Bernatzkys "Im weißen Rössl", Lehárs "Zarewitsch" und Kálmáns "Gräfin Mariza". Im April und Mai 1961 schließlich war alles bereit, die Bandmaschinen liefen und so wurde mit "Hilde Gueden Sings Operetta Evergreens" ein Klassiker für die Nachwelt festgehalten, der die Kunst der Leichtigkeit mit dem Ernst der vermeintlich einfachen Muse verbindet. Der Star singt mit faszinierender Emphase, der Meister am Pult versteht die eingängigen Melodien in die passende anspruchsvolle Form zu bringen. So ist eine Referenzaufnahme entstanden, die bis heute kaum Entsprechung gefunden hat.