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14.05.2004

Der Maximalist

Der Maximalist

Bekannt wurde Michael Nyman als Filmkomponist. Vor allen die Zusammenarbeit mit dem Bildästheten Peter Greenaway machte ihm weit über die Grenzen seiner englischen Heimat hinaus einen Namen als pointierter Spezialist für klangdramaturgische Spannungsbögen. Doch Nyman beschränkt sich nicht auf die Welt der Bilder, sondern versucht, das eigene Schaffen möglichst umfassend zu gestalten. In der Reihe British Music Collection ist ein Album mit seinen drei Streichquartetten erscheinen, die den Komponisten von einer anderen, ungewohnten Seite vorstellen.

Dass Michael Nyman endlich doch Komponist wurde, hängt mit einer Reihe von Zufällen zusammen. Geboren 1944 in London, studierte es zwar sechs Jahre lang an der Royal Academy of Music und dem King's College. Von seinem Lehrer Thurston Dart wurde er jedoch eher in das musikwissenschaftliche, als in das praktisch ausübende Fach geleitet. So reiste Nyman beispielsweise 1965 nach Rumänien, um in Zusammenarbeit mit dem British Council die dortige Volksmusik zu untersuchen. Es schrieb über ein Jahrzehnt hinweg Musikkritiken für verschiedene englische Medien und soll in diesem Zusammenhang den Begriff "Minimalismus" als stilistischer Beschreibungskriterium erfunden haben. Jedenfalls war es eher Zufall, dass 1976 Harrison Birtwistle, für den Nyman 1968 mal ein Libretto erdacht hatte, ihn nun in der Funktion des Musikalischen Leiters des National Theatre in London damit beauftragte, ein paar Arrangements für eine Goldoni-Adaption zu schreiben. Aus diesem Engagement entstand die "Il Campiello Band". Sie wurde wiederum zur Urzelle der Michael Nyman Band, die dem Komponisten fortan als Basiszelle der Kreativität diente. Im selben Jahr begann außerdem die intensive Zusammenarbeit mit dem Regisseur Peter Greenaway. Nyman wurde zu dessen Haustonsetzer, gestaltete die Soundtracks zu immerhin elf Filmen (1976-91), die wiederum zu anderen Aufträgen wie "Das Piano" (1992), "Der Unhold" (1996) oder "Wonderland" (1999) führten.

So fand Nyman Schritt für Schritt in die zeitgenössische Musik hinein und begann, auch für andere Ensembles zu schreiben. Seine Freundschaft mit dem Geiger Alexander Balanescu etwa inspirierte ihn 1985, den Auftrag des Arditti Quartets, bei dem Balanescu damals als zweiter Geiger arbeitete, für ein Streichquartett anzunehmen. 1988 folgte das zweite für eine Solo-Tanzperformance von Shobana Jeyasingh, zwei Jahre später das dritte als Benefiz für eine Rumänien-Spendenaktion. Auch wenn sie formal sehr unterschiedlich sind, basieren sie laut Nyman auf ähnlichen Gestaltungskriterien: "Jedes Quartett ist um das Prinzip des Konfliktes herum gebaut. [...] Im Quartett Nr.1 liegt er zwischen zwei Objekten, die drei Jahrhunderte auseinanderliegen. Im Quartett Nr.2 zwischen einem genau beobachteten indianischen Rhythmus und verbissener europäischer Sensibilität, und im Quartett Nr.3 zwischen einem Chorstück, dass ich im Sommer 1989 schrieb, und einer Anzahl rumänischer Volksmusikfragmente". Nyman konzipierte die drei Werke nicht als Zyklus, insofern ist es auch konsequent, sie in dramaturgisch reizvoller, nicht chronologischer Reihenfolge zu präsentieren. Die Einspielung für die Decca entstand im November 1990 in den Londoner Church Studios und gibt dem Balanescu Quartet die Möglichkeit, dessen sensible, über die Jahre hinweg gewachsene Werkkenntnis zu dokumentieren (zumal das Quartett Nr.3 auf Anregung des Ensembleleiters entstanden war). Für Nyman jedenfalls ein Idealfall, der die bestmögliche Umsetzung der Werke gewährleistet.