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14.05.2004

Die Marschallin

Die Marschallin

Manche Sängerinnen singen gut, andere ausgezeichnet. Nur wenige allerdings schaffen es, einer Rolle derart nachhaltig ihren Stempel aufzudrücken, dass fortan keiner mehr an ihren Interpretationen vorbei kommt. Für Régine Crespin war im Laufe ihrer glänzenden Karrieren kaum eine Rolle zu schwer, doch bekannt wurde sie als Marschallin aus dem "Rosenkavalier". Dabei hatte sie musikalisch noch weit mehr zu bieten. Der Startschuss für die neue Reihe "Classic Recitals" mit berühmten Konzertprogrammen widmet sich daher gerade nicht Richard Stauss, sondern einer erlesenen Auswahl italienischer Opernarien.

Régine Crespin hat es richtig gemacht. Die Sängerin aus Marseille debütierte 1948 in Reims mit der Charlotte aus Massenets "Werther". Bald darauf konnte sie in Mühlhausen ihre Kompetenz als Elsa in Wagners "Lohengrin" beweisen und wurde bereits 1951 ausgiebig an der Opéra-Comique in Paris gefeiert. Doch der damals 24jährigen Sopranistin stieg der frühe Ruhm nicht zu Kopf. Im Gegenteil, sie zog sich zunächst wieder in die französische Provinz zurück und studierte zahlreiche weitere Rollen ein. Bald umfasste ihr Repertoire Sopran-Partien aus Gounod "Faust", Massenets "Hérodiade", Reyers "Sigurd", Verdis "Otello" und "Il Trovatore", Beethovens "Fidelio", Wagners "Walküre". Erst 1956 fühlte sich Crespin gewappnet, wieder nach Paris zurückzukehren. Zu diesem Zeitpunkt eilte ihr schon ein guter Ruf voraus, den sie mit der Desdemona ("Otello", Verdi), der Marschallin ("Der Rosenkavalier", Strauss) und der Amelia ("Un Ballo In Maschera", Verdi) festigte. Von da an ging es zügig voran. Crespin wurde nach Bayreuth, Wien, Glyndebourne und an die Scala eingeladen. Sie stellte sich 1960 am Covent Garden vor, bewährte sich bald darauf als Sieglinde in Bayreuth und feierte in den USA Erfolge. Spätestens Mitte der Sechziger zählte sie bereits zu den größten Stimmen ihrer Generation und unterstrich ihre Bedeutung noch durch Rollen wie der Brünhilde aus der "Walküre", die sie 1967/68 mit Herbert von Karajan verwirklichte. In den siebziger Jahren wiederum eignete sie sich zahlreiche Mezzo-Sopran-Rollen und Liederprogramme an und widmete sich zunehmend auch der Pädagogik. Sie bekam eine Dozentenstelle für Gesang am Pariser Konservatorium, wurde 1976 ebendort zur Professorin ernannt und arbeitete bis 1992 intensiv an der Weitergabe ihres musikalische Wissens.

Régine Crespin ist eine der bedeutendsten Marschallinen und Wagner-Sopranistinnen des vergangenen Jahrhunderts. Doch sie wollte nicht nur auf diese Rollen reduziert werden. So stellte sie für die Aufnahmen vom May 1963 in der Londoner Kingsway Hall ein Programm mit dramatischen Arien zusammen, das sie als ernste und ernst zu nehmende Interpretin italienischer Opern vorstellte. Ausschnitte aus Verdis "Il Trovatore", "Un Ballo In Maschera" und "Otello" sind dabei, außerdem aus Ponchiellis "La Gioconda", Mascagnis "Cavaleria Rusticana", Puccinis "Madame Butterfly" und Boitos "Mefistofele". Egal, welcher Partie sie sich zusammen mit dem Orchester des Royal Opera House unter der Leitung von Edward Downes annahm, immer glänzte sie durch eigenständige Farben und Phrasierungen, durch packende Emotionalität und tragische Tiefe. Crespin ging in ihren Rollen auf und verlieh ihnen dadurch eine besondere Natürlichkeit und ausdrückliche Klarheit. Nicht umsonst wurde das Programm "Italian Operatic Arias" in die Reihe "Classic Recitals" aufgenommen, die berühmt gewordene Alben und vokale Höhepunkte des Schallplattenzeitalters wieder zugänglich macht.