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07.05.2004

Stress für Dracula

Stress für Dracula

Die Mythen leben fort. Auch wenn es längst erwiesen ist, das in den Wäldern Transsylvaniens keine Blutsauger und Werwölfe hausen, bleiben die gruseligen Vorstellungen von anthropomorphen Ungeheuern lebendig. Mit "Alan Sivestri" kommt eine weitere Variation zum Thema in die Kinos. Und damit der Titelheld den passenden musikalischen Rahmen bekommt, wurde ein Profi der filmorchestralen Spannungslenkung für den Soundtrack engagiert. Denn spätestens seit seiner Musik zu "Forest Gump" gehört Alan Silvestri zu den Top Five der internationalen Szene.

Alan Sivestris Weg nach Hollywood war kurvenreich. Zunächst wies nichts daraufhin, dass er eines Tages mal in den Studios der großen Filmfirmen landen würden. Geboren 1950 in New York in ein italienisch-irisches Elternhaus, wuchs er in musikalisch wenig interessiertem Ambiente auf. Trotzdem war der Junge fasziniert von dem, was da aus dem Radio schallte, und wollte es den Stars der Sendungen nachmachen. Mit drei Jahren trommelte er auf allem, was er fand, im Schulorchester versuchte er sich an verschiedensten Instrumenten. Als er 14 Jahre alt war, drückte ihm sein Vater eine Gitarre in die Hand. Von da an war es Silvestri klar, dass er Musik machen musste. Als glühender Verehrer des Jazz-Gitarristen Wes Montgomery versuchte er zunächst, in dessen stilistische Fußstapfen zu treten.

 

Er schrieb sich an der Jazz-Kaderschmiede Berklee ein, lernte sein Handwerk und beherrschte das Instrument bald so gut, dass er von der angesehenen Entertainment-Combo Wayne Cochran And The C.C.Riders mit auf Tournee genommen wurde. Silvestri schlug sich durch und fand außerdem ein zweites Standbein, mit dem er sein Geld verdiente. Im Jahr 1972 wurde ihm zum ersten Mal ein Soundtrack angetragen: "The Doberman Gang". Das war zwar kein internationaler Erfolg, aber immerhin ein Anfang. Der Streifen hatte die Tür zu einem Geschäft geöffnet, in das der Neuling sich einzuarbeiten verstand. Er machte Musik für die Fernsehserie "Starsky & Hutch", bekam mit der Zeit ansehnlichere Aufträge wie "Back To The Future" (1985), "Flight Of The Navigator" (1986), "The Abyss" (1989). Anfang der neunziger Jahre war er bereits gut im Geschäft, konnte aber mit "Forrest Gump" (1994), "Contact" (1997) und zahlreichen Kinder- und Jugendfilm-Soundtracks wie "Stuart Little" (1999), "Lilo & Stich" (2002) und "Tomb Raider" (2003) seinen Ruhm noch mehren.

 

Mit dem Streifen "Van Helsing" nun kehrt Silvestri zum Fantasy- und Horror-Genre zurück. Der Plot spielt im 19. Jahrhundert in einem von Werwölfen beherrschten Transsylvanien. Herrscher des dunklen Reiches ist Graf Dracula und er hält die Fäden seiner Macht fest in der Hand. Nur die Familie Valerious hat es bisher geschafft, ihm Paroli zu bieten und gemeinsam mit dem berüchtigten Vampir-Jäger Van Helsing nehmen sie den Kampf gegen die Dämonen auf. Silvestris Aufgabe nun war es, den sinistren Bildern aus den transsylvanischen Wäldern das passende Pathos zu verleihen. Mit großem Orchester und reichlich Pomp gibt er den düsteren Stimmungen der Kamera ihr musikalisches Pendant und macht aus "Van Helsing" einen Soundtrack nach allen Regeln der filmrhetorischen Kunst.