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07.05.2004

Spirituelles

Spirituelles

Manch einer hat nicht viel Zeit, um sein Werk zu erschaffen. Giovanni Battista Pergolesi wurde gerade mal 26 Jahre alt, bevor ihn seine labile Gesundheit aus dem Leben riss. Trotzdem gehört er zu den wichtigsten italienischen Komponisten des 18.Jahrhunderts, dessen Oeuvre bis weit in die Romantik hinein die musikalische Nachwelt beeinflusste. Seinem "Stabat Mater" und Jan Dismas Zelenkas "Office des Ténèbres" sind zwei weitere Folgen der Reihe Accord Baroque gewidmet.

Giovanni Battista Pergolesi (1710-36) durchlebte alles im Eiltempo. Am 4.Januar 1710 in Iesi, Ancona, geboren, trat er im Kindesalter in den Chor des örtlichen Domes ein. Als er 13 Jahre als war, zog er nach Neapel und wurde dort am Conservatorio die Poveri di Gesù Cristo unter anderem von Gaetano Greco und Francesco Durante unterrichtet. Er war begabt, avancierte schnell zum Knabensopran, außerdem zum ersten Violinisten und zur Hilfslehrkraft. Pergolesi beendete 1731 seine Ausbildung und war bereits voll im Geschäft. Er bekam Aufträge als Kirchen- und Bühnenkomponist, arbeitete an verschiedenen geistlichen und weltlichen Häusern als Kapellmeister und wurde binnen kürzester Zeit zur Berühmtheit. Die Verehrung der Zeitgenossen und der Nachwelt ging so weit, dass ihm rund 320 Kompositionen zugeschrieben wurden, wobei wohl nur ein gutes Zehntel davon tatsächlich von ihm stammt.

Pergolesi blieb Neapel über die Jahre weitgehend treu, fuhr allerdings 1734 wegen einer Operninszenierung nach Rom. Bald darauf musste er sich aus gesundheitlichen Gründen in das Franziskanerkloster von Pozzuoli, einem damals beliebten Badeort, zurückziehen. Dort muss er dann gestorben sein, jedenfalls wurde sein Leichnam am 17. März 1736 in der Kathedrale des Ortes beigesetzt. Das "Stabat mater" ist wahrscheinlich das letzte Werk Pergolesis, jedenfalls relativ zeitgleich zum "Salve Regina" entstanden. In der Forschung geht man davon aus, dass er es für eine adelige Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariens, die in der Kirche San Luigi di Palazzo und später in San Ferdinando in Neapel ihren Sitz hatte, geschrieben hat, als Ersatz für das "Stabat mater" von Scarlatti. Es zählt zu den beeindruckendsten Werken des spirituellen Barocks und gehört daher in der historisch sorgsam nachvollzogenen Version des Ensemble Stradivaria unbedingt in die Reihe der Accords Baroques.

Jan Dismas Zelenka (1679-1745) wiederum hatte wesentlich mehr Lebenszeit, um seine Musik zu verwirklichen. Allein, er hatte viel Pech, galt schon seinen Zeitgenossen als melancholischer, misantropischer Geselle und geriet im Laufe des 18.Jahrhunderts vollkommen in Vergessenheit. Die meisten seiner Pläne blieben unverwirklicht, nicht einmal die so begehrte Stelle des Kapellmeisters in Dresden wurde ihm zugestanden, obwohl er in einem Gesuch an August den Starken am 28. November 1733 untertänigst um Unterstützung bat:

"Vor den Füßen Eurer Königlichen Majestät wirft dero allerunterthänigster Knecht, endesbenannter Supplicant sich in allertiefster Submission nieder, weil die äußerste Noth ihn gleichsam zwinget, dasjenige, wovon bis anhero ihn die allerunterthänigste Betrachtung so vieler einheimischen und auswärtigen publiquen Angelegenheiten, damit Euer Majestät immerzu preiswürdigst beschäftiget sind, zurückgehalten, nunmehro allergehorsamst vorzustellen: Eurer Königlichen Majestät wird vorhin schon allergnädigst bekannt seyn, daß ich die Gnade gehabt, bereits in die 24. Jahr for dero Allerhöchsten Königs Hauß, insonderheit auch Eurer Königlichen Majestät Person selbst zu Wien auf Befehl dero in Gott ruhenden Herrn Vaters, Königlichen Majestät glorwürdigsten Angedenkens, anderthalb Jahr lang ohne den geringsten Genuß einiger Auslösung mit meiner Musik in Allerunterthänigkeit zu bedienen: da doch die anderen von hier aus dorthin geschickten königlichen Musici mit aller Nothwendigkeit reichlich sind versehen worden. Nach meiner Zurückkunfft von Wien, habe ich nächst dem Capellmeister Heinikken die Königliche Kirchen Music viele Jahre lang mit versorget, nach deßen Absterben aber dieselbe meistens allein componiret und dirigiret, derowegen auch, um die dabey benöthigte fremde Musicalien zu erlangen, und selbige nebst meinen eigenen copiren zu lassen fast die Helffte meines zeitherigen Tractaments zu meinem größten Schaden aufwenden müssen. [...] so flehe dieselbe ich hiermit fußfälligst an, daß sie allergnädigst geruhen wolle, mir die durch bemeldeten Heinikkens Tode erledigte und von mir ehedem bisher verwaltete Capellmeisterstelle allergnädigst zu conferiren, auch von seinem gehabten Tractamente mir von Zeit seines Absterbens an einen Theil zu meiner bisherigen Besoldung allermildest beyzulegen, nichts minder for die mir sowohl zu Wien als wegen der musicalischen Copialien allhier aufgewendeten großen Spesen einige Ergötzlichkeit nach Eurer Königlichen Majestät allerhöchsten gratieusen Disposition angedeyhen zu laßen." (Zitiert nach MGG Bd. 14, S. 1193f).

Es half nichts, Zelenka wurde der junge, aber berühmte Johann Adolf Hasse vorgezogen und er blieb sein Leben lang die Nummer zwei. Vor allem in den Jahren 1721 bis 1733 entstanden viele seiner überwiegend geistlichen Kompositionen. Das für die Accord Baroque zusammengestellte "Office Des Ténèbres du Vendredi Saint" etwa wurde über den Zeitraum von 1722 ("Lamentations") bis 1733 ("Responsoria") geschrieben und dokumentiert noch nach beinahe drei Jahrhunderten, mit welcher spirituellen Kraft Zelenka Musik zu gestalten verstand.