Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

16.04.2004

Der italienische Weg

Der italienische Weg

Oper war das Zauberwort. Die italienische Musikkultur konzentrierte sich in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts auf die großen Bühnenwerke, die Puccini, Rossini, Verdi hinterlassen hatten. Das bedeutete im Gegenzug, dass andere Gattungen mit weniger Sorgfalt gepflegt wurden. Die Kammermusik zu Beispiel fand erst Ende der Dreißiger wieder mehr Beachtung, als Koryphäen wie Arturo Toscanini und große Pädagogen wie Arturo Bonucci sich dafür stark machten. Ihm ist es auch zu verdanken, dass 1943 sich an der Accademia Chigiana in Siena sich zum ersten Mal ein junges Ensemble zusammen fand, dem eine ruhmreiche Konzertzukunft bevorstand: Das Quartetto Italiano.

Es war kein gutes Jahr für Kammermusik. Die Invasion der Alliierten sorgte für die Wende des Zweiten Weltkrieges, überall waren die Kampfhandlungen nun auf europäischem Boden zu spüren. Also verabredeten Paolo Borciani, Elisa Pegreffi, Lionello Forzanti und Franco Rossi kurz nachdem sie auf Geheiß ihres Professors Bonucci 1943 Debussys Streichquartett einstudiert hatten, sich nach dem Krieg wieder zu treffen. Und so kam es dann auch. Im Sommer 1945 trafen sich die jungen Musiker in Borcianis Wohnung in der Reggio Emilia und studierten voller Zuversicht ihr erstes Konzertprogramm mit Debussy, Strawinskys "Concertino" und in Beethovens "Rasumowksi"-Quartet ein. Sie nannten sich zunächst Nuovo Quartetto Italiano (ab 1951 dann nur noch Quartetto Italiano), waren voller Tatendrang und hatten sich zu Ziel gesetzt, alles Repertoire auswendig zu spielen - was sie auch über ein Jahrzehnt hinweg durchhielten.

Zunächst schafften sie es, in ihrer Heimatregion auf sich aufmerksam zu machen, bereits 1946 kam es zu ersten Plattenaufnahme. Der Bratschist Forzanti verließ 1947 das Ensemble, um als sich als Dirigent zu versuchen, und konnte durch Piero Farulli ersetzt werden. Gemäß dem Bonmot, dass ein Quartett besser hält als eine Ehe, musizierten die Künstler bis 1979 in dieser Besetzung zusammen, bis Farulli ausschied und für die letzten beiden Jahre des Ensembles seinen Platz an Dino Asciolla weitergab. Als dieser wiederum 1981 überstürzt das Quartetto verließ, beschlossen auch die übrigen Musiker, sich zur Ruhe zu setzen. Immerhin hatten sie es geschafft, nicht nur den Ruf der italienischen Kammermusik-Instrumentalisten wieder herzustellen und eine neue Generation von Interpreten anzuführen, sondern auch eine große Sammlung spektakulärer Aufnahmen verwirklicht, die ihre klanglichen Vorstellungen und künstlerischen Ideale für die Nachwelt festhielten.

So war das Quartetto Italiano eine feste Einheit, die nur zweimal während der mehr als drei Jahrzehnte währenden Karriere anderen Solisten die Möglichkeit gab, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Da war zunächst der Schweizer Klarinettist Antoine de Bavier, der von 1946 an gelegentlich für Mozarts "Klarinettenquintett" zum Quartetto Italiano stieß. Und schließlich der junge Maurizio Pollini, der 1974 zum ersten Mal das "Klavierquintett op.34" von Johannes Brahms mit dem Ensemble anstimmte. Als es dann im Januar 1979 zur Aufnahme im Münchner Herkulessaal kam, hatten die fünf Künstler das Werk anhand von Konzerten soweit verinnerlicht, dass sie sich vollends auf die Qualität der Interpretation konzentrieren konnten. So entstand einer der Höhepunkte in der LP-Karriere des Quartetts, der sich an Strenge und Konsequenz, an Leidenschaft und Klarheit mühelos mit den großen Vergleichsaufnahmen von Serkin mit den Busch-Quartett bis hin zu Richter mit dem Borodin-Quartett messen lassen kann.