Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

16.04.2004

Der Spätgeliebte

Der Spätgeliebte

Lange Jahre war John Dowland (1562-1626) nur ein Thema für Spezialisten. Denn die leisen Lieder des Lautenvirtuosen und Komponisten waren von den effektvollen Werken späterer sinfonischer Epochen verdrängt worden. Erst als man sich im Rahmen der historischen Aufführungspraxis wieder den Quellen der europäischen Musikkultur zuwandte, wurde Dowland als zugleich konservativer Traditionalist und behutsamer Innovator der Mehrstimmigkeit wiederentdeckt. Mit der Aufnahme des "First Booke Of Songs" (1597) stellen die Frühjahrsveröffentlichungen der British Music Collection eines der zentralen Werke des spätgeliebten Komponisten in den Mittelpunkt.

Aus heutiger Sicht erscheint John Dowland als zentraler Komponist seiner Epoche. Die Zeitgenossen in seiner Heimat aber sahen das durchaus anders. Im Dezember 1562 in Dalkey bei Dublin geboren, tappt die Forschung bis heute im Dunkeln, was die Kindheit und Jugend des Komponisten betrifft. Sicher kann man die Spur erst 1579 wieder aufnehmen, als der junge Mann in die Dienste der englischen Gesandtschaft in Paris eintritt. Dort machte er sich in kleinen Kreisen einen Namen als Lautenspieler, traf aber auch eine folgenreiche Entscheidung, die ihm in seiner Heimat viele Türen versperrte. Dowland trat zum Katholizismus über und hatte daher 1594 wenig Glück mit seiner Bewerbung um die Stelle des Hoflautinisten, die nach dem Tod John Johnsons frei geworden war. Obwohl durch seine Spielpraxis und das Studium in Oxford hervorragend qualifiziert, hatte er keine Chance im protestantischen Königsumfeld Fuß zu fassen. Dowland machte sich daraufhin auf den Weg, arbeitete an den Höfen von Wolfenbüttel und Kassel, ging nach Rom, nach Nürnberg, schließlich nach Kopenhagen und baute dort bis 1606 als Hoflautinist das brach liegende dänische Musikleben auf. Schließlich ging er doch zurück nach England, wirkte als Privatlehrer weiter und bekam, lange schon zurückkonvertiert, 1612 doch noch die ersehnte Position, die er bis zu seinem Tod innehatte.

Beim Dienstantritt in London allerdings war Dowland trotz allem enttäuscht und wurde von seinen Zeitgenosse als verbittert beschrieben. Ein großer Teil seines kompositorischem Schaffen war damals vollendet. Vier Liedersammlungen waren in Druck erschienen, ferner die Bearbeitung des "Ornitoparchus' Micrologus" (1609) und einige Sammlungen von Tänzen für Violen und Laute ("Lachrymae", 1604). Weitere Kompositionen von ihm waren in Notenbüchern außerhalb Englands veröffentlicht worden. Von den insgesamt 87 Liedern waren die ersten 21 im Rahmen des Zusammenstellung "First Booke Of Songs" bereits 1597 erschienen. Sie zeigten in früher Meisterschaft, wie es Dowland vermochte, die etwa aus Spanien stammenden Traditionen der Lautenkompositionen zu perfektionieren und in Satztechnik, Melodieführung und harmonischer Durchführung zu modifizieren.

Es wundert daher wenig, dass diese Sammlung auch in den Kreis der British Music Collection aufgenommen wurden, mit der die Decca einen Grundstock der englischen Klangtradition auf CDs festhält. Die Einspielung, die 1976 vom Consort of Musicke unter den Leitung des Lautisten Anthony Rooley verwirklicht wurden, gehört zu den zentralen Meisterwerken, die in der Frühjahrsstaffel der Reihe veröffentlicht werden. Darüber hinaus werden Henry Purcells "The Indian Queen" (Christopher Hogwood, Academy Of Ancient Music, 1994), eine Sammlung mit Collin Matthews Werken ("Forth Sonata", "Suns Dance", "Broken Symmetry" u.a. mit der London Sinfonietta unter der Leitung von Oliver Knussen, 1992-94), Sir Edward Elgars "Streichquartet op. 83" und "Klavierquintett op. 84" (Mistry String Quartet, David Owen Norris, 1990/91), Gerald Finzis "Klarinettenkonzert, Nocture und Eclogue" (Sir Neville Marriner, Academy Of St. Martin In The Fields, 1996-2002), eine Sammlung mit Werken von Frederick Delius ("Appalachia", "Two Aquarelles", "Florida Suite", "North Country Sketches", Sir Charles Mackerras, Orchestra Of The Welsh Opera, 1989-96) und die "Victorian and Edwardian Ballads" (1975-78) auf CD zugänglich gemacht. Ein wichtiges Unterfangen.