Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

09.04.2004

Von Herzen

Von Herzen

Irmgard Seefried war ein Glücksfall für die Gesangsszene. "Wir alle haben sie beneidet", meinte ihre Kollegin Elisabeth Schwarzkopf in einem Interview, "weil das, was wir uns mühselig erarbeiten mussten, bei ihr so natürlich und selbstverständlich wirkte. Sie verstand, mit dem Herzen zu singen". Und sie schonte ihre Stimme nicht. Umso wichtiger sind die Aufnahmen, die bis zu ihrem Rückzug von den Bühne Mitte der sechziger Jahre entstanden.

Irmgard Seefried (1919-1988) stammte aus Köngetried in Bayern. Sie hatte das Glück, als junge Frau den Sprung aus der Provinz an die Hochschulen von Augsburg und München zu schaffen. Und sie traf zum richtigen Zeitpunkt auf einen ehrgeizigen Kollegen, der ihre Karriere förderte. Im Jahr 1938 bekam Seefried ihre erste Rolle durch Herbert von Karajan vermittelt, der sie nach Aachen als Tempelsängerin in Verdis "Aida" holte. Ein Anfang war gemacht, der zweite Weltkrieg jedoch sorgte dafür, dass es eher schleppend weiter ging. Fünf Jahre später debütierte sie unter Karl Böhm an der Wiener Oper als Eva in Wagners "Meistersingern". Der Durchbruch jedoch gelang ihr erst nach Kriegsende. Bereits 1946 triumphierte sie in Salzburg als Susanna ("Figaros Hochzeit"), Einladungen in die ganze Welt folgten, unter anderem an die Met (1953). Ihr Repertoire wuchs rapide, umfasste sowohl die Standards der Spielpläne als auch ungewohnte Werke etwa von Poulenc, Henze, Hindemith. Seit Mitte der Fünfziger fand sie auch vermehrt an den verschiedenen Spielarten des Liedes Gefallen. Hier kam ihr ein unbeschwertes Naturell zugute, das vor allem folkloristisch getönten Werken wie den "Deutschen Volksliedern" von Johannes Brahms zum passenden Kolorit verhalf. Mussorgskys "Kinderstube" wurde zu einem ihrer Lieblingsprogramme, weil das Launische und Kokette der Vorlage von ihr mit passendem, aber nicht übertriebenem Witz dargestellt werden konnte.

 

Seefried verausgabte sich. Obwohl kompetent ausgebildet, sang sie manchmal mehr, als ihr Sopran vertrug. Als Resultat dieses Überschwangs nahm die Klarheit ihrer Intonation in den sechziger Jahren ab. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges zog sie daher die Konsequenzen und konzentrierte sich noch mehr auf das Lied und vor allem auf pädagogische Aufgaben. So konnte sie Wissen und Begeisterung etwa in den Interpretationsseminaren von Royaumont weitergeben. Und die Aufnahmen, die seit 1946 entstanden waren, hatten zum Glück die besondere Kraft von Seefrieds Talent und Können festgehalten. So greift auch die Recital-Zusammenstellung der Original Masters-Reihe auf umfangreiches Archiv-Material zurück, das zwischen 1952 und 1957 entstanden ist. Am Klavier saß Erik Werba, sowohl in Wien, als auch während der Deutschlandtournee von 1953. Seefried selbst wird in den verschiedenen Facetten ihres Könnens präsentiert, von der (weitgehend) unbeschwerten "Frauenliebe und Leben, op.42" vom leidenschaftlich naiven Schumann, über Mussorgskys Meta-Kinderlieder bis hin zu Hugo Wolfs schwermütigen "3 Liedern nach Gedichten von Eduard Mörike". Immer wieder wird dabei deutlich, wie genau sie artikulierte, wie mühelos sie erzählerisch, darstellend, unterhaltsam wirken konnte. Und das ist Grund genug, sich über diese Wiederveröffentlichung in remasterter Qualität zu freuen.