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01.04.2004

Nina und Cecilia

Nina und Cecilia

Es ist wieder soweit. Nach dem erfolgreichen Start im vergangenen Winter geht die Musik-Gala Sunday Night Classics in die nächste Runde. Am 4. April um 22 Uhr sind im ZDF die Sunday Night Classics zu sehen. Und wie gewohnt findet sich wieder ein Defilee der Stars vor den Kameras der Münchner Bavaria Filmstudios ein. Für alle, die darüber hinaus die Musik der Künstler des Abends genießen wollen, begleitet die Universal das TV-Ereignis mit einem eigens dafür kreierten Sampler. Hier ist ein kleiner Vorgeschmack darauf.

Punks hatten es in der DDR nicht leicht. Das sozialistische Regime ging vehement gegen jeden Meinungsabweichler vor und so beschloss auch Nina Hagen, in den Westen rüberzumachen. Das war Mitte der Siebziger, in einer Zeit, als die Popmusik die erste schwere Erschütterung aus Kreisen der Subkultur erfuhr. Bands wie der Sex Pistols oder The Clash stellten die ästhetischen Gewohnheiten der Hippie-Ära auf den Kopf und überall schossen die neuen Garagencombos wie Pilze aus dem Independent-Boden. Hagen jedenfalls fand Anschluss an eine ehemalige Freak-Kommune aus Berlin, die zunächst als Lokomotive Kreuzberg, dann als Spliff Radio Show auf sich aufmerksam gemacht hatte. Die konvertierte Opernsängerin nahm mit den Posthippies das Album "Nina Hagen Band" auf und avancierte zur Schlüsselfigur der jungen deutschen Musikszene. Ein Vierteljahrhundert später hat sie bereits so manchen künstlerischen Trip hinter sich gebracht und ihre Liebe zum Entertainment wiederentdeckt. So kommt's, dass Nina Hagen mit der Leipzig Big Band Broadway-Klassiker wie "Over The Rainbow" und "Let Me Entertain You" in Angriff nimmt, auf ihre eigene, noch immer schrille Art.

Damit ist sie der schillernde Gegenpol zu Stars der klassischen Szene, die ihrerseits mit ungewöhnliche Projekten auf sich aufmerksam machen. Die römische Mezzo-Sopranistin Cecilia Bartoli zum Beispiel hatte im vergangenen Jahr alle Wahrsager der Szene Lügen gestraft, die ihr mit einem Salieri-Album einen Reinfall prophezeit hatten. Anstatt den Komponisten im Schatten Mozarts zu missachten, waren die Vokalfreunde in aller Welt begeistert und feierten die Sängerin als eine der Größten ihres Fachs. Leisere Töne hingegen stimmte der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker Albrecht Mayer an. Er wagte etwas Unerhörtes und bearbeitete zahlreiche Kompositionen von Bach für sein Instrument. Auch hier waren nicht nur die Kritiker euphorisch, denn die Dreistigkeit des Projektes wurde durch die Schönheit des Klanges mehr als wettgemacht. Da wiederum treffen sich die Vorstellungen von Mayer mit denen des Countertenors Andreas Scholl. Seine engelhafte Stimme bezaubert bereits seit einem Jahrzehnt die klassische Szene. So ist ihm sein Platz auf den "Sunday Night Classics 2" sicher, denn reiner singt zur Zeit keiner. Ganz neu und beeindruckend emotional und souverän hingegen präsentiert sich der maltesische Tenor Joseph Calleja. Wenn überhaupt jemand den Sprung an die Spitze der Weltklassesänger schaffen könnte, dann er. Wer's nicht glaubt, sollte einfach am Sonntag den Fernseher einschalten oder zu "Sunday Night Classics 2" greifen. Denn hier liegt die Zukunft des gehobenen, niveauvollen Entertainments.