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26.03.2004
Eleni Karaindrou

The Weeping Meadow

Eleni Karaindrou, The Weeping Meadow

In ihrer griechischen Heimat gelang Eleni Karaindrou mit ihrem neuesten Album "The Weeping Meadow" ein unvergleichliches Kunststück, als sie mit dem ambitionierten Werk, das dort letzten Monat veröffentlicht wurde, bis auf den zweiten Rang der Pop-Charts emporkletterte. Dies ist umso beeindruckender, als es sich um ein reines Instrumentalalbum handelt, das zwar etliche wunderschöne Melodien, aber keine leichte Pop-Schonkost enthält.

Die Musik wurde von Eleni Karaindrou für den gleichnamigen Film (Griechischer Originaltitel: "To Livadi Pou Dakrisi" / Deutscher Verleihtitel: "Die Erde weint") von Theo Angelopoulos geschrieben, der im Februar diesen Jahres bei den 54. Internationalen Filmfestspielen in Berlin (Berlinale) aufgeführt wurde.

 

Andreas Kilb schrieb damals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "'Die Erde weint' ist der erste Teil einer Trilogie, die der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts gewidmet ist - wie schon Angelopoulos' 'griechische Trilogie' aus den siebziger Jahren, die mit 'Tage von 36' begann, mit den 'Wanderschauspielern' weiterging und den 'Jägern' aufhörte. Und doch ganz anders. Während es damals vor allem um das Schicksal Griechenlands ging, wird die neue Trilogie den Blick ausweiten auf Europa, Amerika, die Welt. [...] Die Geschichte von Helena-Eleni soll ein Stück Weltgeschichte werden, der Film ihres Lebens ein Markstein im kollektiven Bildergedächtnis. [...] Das ist keine Filmstory, eher eine Art Libretto, und so hat es Angelopoulos auch gehandhabt. Viel mehr als von irgendeiner Handlung ist 'Die Erde weint' von der elegischen Musik Eleni Karaindrous und der überwältigenden Schönheit der Sets geprägt, welche die Kamera in tranceartigen langen Einstellungen umkreist. Weiße Laken, schwarzbeflaggte Boote auf dem See, Schafe, die an Bäumen hängen, Häuser in der Flut, ein Schulzimmer, das zum Floß, ein Flußufer, das zur Leichenhalle geworden ist - das alles nimmt teil an der historischen Prozession, die der Film inszeniert, es ist realer Ort, Symbol, objet trouvé und visuelles Zeugnis zugleich."

 

Begeisterung weckte die Musik Eleni Karaindrous auch bei einem Kritiker des griechischen Kulturmagazins Athinorama: "Ein Meisterwerk musikalischer Erzählung. [...] Eleni Karaindrou hat uns einmal mehr auf eine magische und träumerische, aber auch vollkommen direkte und nüchterne Art mit ihrer eigenen, parallel geschaffenen Klangkreation in das Ambiente eines Filmes eingeführt", hieß es dort. "Das Album 'The Weeping Meadow', das in ECMs New Series erscheint, ist wirklich außerordentlich. [...] Die Musik ist eine Elegie, eine Art nahöstlicher Blues - der seine Wurzeln in einem sehr spezifischen Teil des nahen Ostens hat, am Schwarzen Meer -, der Wandlungen und Alternierungen unterzogen wird, ohne auch nur für einen Moment seine Grundessenz oder sein Ziel aus den Augen zu verlieren. Das Album besteht ausschließlich aus Originalkompositionen von Eleni Karaindrou, und diese Tatsache verleiht dem Werk eine Unabhängigkeit und Signifikanz, die nicht durch dessen Funktion als Film-Soundtrack eingeschränkt wird. Die Musik hat eine so immense dynamische und aktive narrative Kraft (trotz des Minimalismus ihrer Klang- und Rhythmusstruktur), daß man den Film sogar verspürt, wenn man ihn noch gar nicht gesehen hat!"

 

"The Weeping Meadow" ist bereits Eleni Karaindrous sechstes Album für ECM. Zuvor erschienen dort von ihr schon die Alben "Music For Films" (ECM 1429), "The Suspended Step Of The Stork" (ECM 1456), "Ulysses's Gaze" (ECM New Series 1570), "Eternity And A Day" (ECM New Series 1692) sowie "Trojan Women" (ECM New Series 1810).