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26.03.2004

Ehre sei Gott

Ehre sei Gott

Aus theologischer Sicht ist Ostern das wichtigste Fest im Jahreskreislauf. Denn erst durch Jesu Tod und Auferstehung wird der Mensch erlöst und der Nähe des barmherzigen Gottes gewiss. So gehörten auch die Gottesdienste der Osterzeit zu den zentralen kirchenmusikalischen Ereignissen, die Johann Sebastian Bach in seinem Amt als Thomaskantor zu gestalten hatte. Er nahm die Herausforderung an und schuf mit seinen Passionen, Oratorien und Kantaten zeitlose Huldigungen der göttlichen Größe.

Als Bach 1723 sein neues Amt in Leipzig antrat, hatte er sich eine Menge Arbeit aufgehalst. Denn als musikalischer Leiter der Thomaskirche und deren Dependancen hatte er jeden Sonntag neue Kantanten für den Gottesdienst zu liefern und darüber hinaus noch weitere Werke, die bei größeren Festen als Klangrahmen des liturgischen Geschehens gefordert waren. Besonders wichtig war dabei die Osterzeit. Für Karfreitag zum Beispiel hatten sich seit Bachs Vorgänger Johann Kuhnau Aufführungen von großen Passionen eingebürgert. Nach den vergleichsweise ruhigen Köthener Jahren empfand der neue Kantor diese Aufgabe als Herausforderung und präsentierte bereits 1724 die "Johannes-Passion", die im folgenden Jahr in einer bearbeiteten Version abermals aufgeführt wurde. Sie griff zum Teil auf Materialien aus den Weimarer Jahren zurück und entsprach dem Typ der sogenannten oratorischen Passion, bei der der Predigttext des Evangeliums mit Chorälen und Arien ergänzt wurde.

Diese vergleichsweise traditionelle Form der Passion genügte Bach aber nicht als musikalischer Ausdruck der göttlicher Größe. Deswegen legte er 1727 seine "Matthäus-Passion" wesentlich umfangreicher an. Als Notentext war sie bereits ausschließlich in Leipzig entstanden, blieb dem Anschein nach ebenfalls eine oratorische Passion, sprengte aber alle bisherigen Grenzen liturgischer Konzerte dieser Art. Allein die Aufführung des Vokalepos' dauerte immerhin rund 3 Stunden, verteilt auf zwei Abschnitte vor und nach der Predigt. Der umfangreiche Bericht des Matthäus-Evangeliums wurde dafür um zahlreiche kontemplative Stücke aus der Feder des Librettisten Picander und weitere zusätzliche Choräle ergänzt. So entstand ein Konzentrat unterschiedlichster Formen und Stile der geistlichen und weltlichen Vokalmusik, die zur Zeit Bachs zum Inventar kunstvoller Klanggestaltung gehörten. Da gab es Rezitative, Ariosi, Arien, Chorsätze und Chorphantasien, Motetten-Sätze, mehrchörige Passagen und vieles mehr, das den Komponisten als herausragenden Gestalter opulenter Formen im Bewusstsein der Leipziger Bürger etablierte.

Für die 3CD-Zusammenstellung der Decca-Präsent-Reihe "Passionen - Oster-Oratorium - Kantaten" wurde allerdings nur ein kleiner Teil dieser beiden gewaltigen Werke auf einer CD ausgewählt. Die beiden weiteren Teile umfassen Ausschnitte des "Oster-Oratoriums BWV 249", das "Magnificat D-Dur BWV 243" und die Oster-Kantaten "Christ lag in Todesbanden, BWV 4", "Bleib bei uns, denn es will Abend werden, BWV 6" und "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen, BWV 12". Sie entstammen legendären und ausgezeichneten Aufnahmen aus dem Jahren 1969 bis 1997 und versammeln unter anderem Solisten wie die Sopranistinnen Lucia Popp, Elly Ameling, Roberta Alexander und Ensembles wie die Staatskapelle Dresden, das Neue Bachische Collegium Leipzig (jeweils unter der Leitung von Peter Schreier) und den Münchner Bach-Chor und das Bach-Orchester unter der Ägide von Karl Richter vor den Mikrofonen. Eine gute und preiswerte Gelegenheit, sich einige der beeindruckendsten Werke des Meisters geistlicher Musik passend zur Fasten- und Osterzeit ins Wohnzimmer zu holen.