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19.03.2004

A Star Is Born

A Star Is Born

Inzwischen zählt Cecilia Bartoli zu den größten Sängerinnen ihrer Generation. Ihr Weg an die Spitze der internationalen Musikszene begann in den frühen Neunzigern, als die ersten wichtigen Engagements die junge Römerin nach Deutschland, Paris oder auch an die Mailänder Scala holten. Die opulente "DVD Collection" zeichnet nun einige der Stationen nach und präsentiert Bartoli als Thema einer frühen Dokumentation mit anschließendem Recital, als Cenerentola in Rossinis gleichnamiger Oper und als Star eines großartigen Konzertabends im historischen Teatro Olimpico in Vicenza.

Als David Thomas 1991 seine Dokumentation über die junge Cecilia Bartoli drehte, konnte man bestenfalls ahnen, was der jungen Sängerin als künstlerischer Lebensweg noch bevorstehen sollte. Zwar hatte sie bereits einige wichtigere Auftritte absolviert, von der Rosina in Rossinis "Il Barbiere di Siviglia" an der Oper in Rom, der gleichen Rolle bei den Schwetzinger Festspielen bis hin zu einem Tribute an Maria Callas. Der eigentliche Karrieresprung sollte jedoch erst noch kommen. Schon deshalb ist Davids Portait ein besonderes Dokument, denn es zeigt eine Künstlerin im Werden, die das Potential und die Energie dazu hat, noch weiter zu wachsen. Da werden einige Konzertausschnitte gezeigt, vor allem aber viele Bilder aus Bartolis Alltag, dem Domizil in Rom und dem Refugium an der toskanischen Küste. Besonders spannend sind die Unterrichtsszenen mit ihrer Mutter, die als lyrischer Sopran lange Zeit die Tochter in der Grundlagenarbeit unterstützt hat. Hier geht es um die Arbeit, die eine Stimme von der ersten Note bis zum fertigen Stück benötigt, und um die Sorgfalt, mit der selbst scheinbar unwichtige Details behandelt werden müssen. Als Rekurs auf diese Szenen zeigt die DVD außerdem die Sängerin an der Seite des Pianisten György Fischer mit einem Recital im Londoner Savoy Hotel, das sich vor allem Rossini widmete, im Vorgriff auf das 200.Geburtstagsjubiläum des Komponisten anno 1992.

Gioacchino Rossini bleibt ein wichtiges Kapitel in Bartolis Künstlergenese. Und er liegt ihr ganz besonders, wie die zweite DVD der Sammlung dokumentiert. Diesmal tritt sie in der Titelrolle von "La Cenerentola" auf, der skurrilen Opernversion des Aschenbrödel-Märchens aus dem Jahr 1817. Für Rossini war es ein Schnellschuss gewesen, den er innerhalb weniger Wochen auf die Bühne gestellt hatte. Innerhalb von 24 Tagen stand die Musik, die Tinte war noch feucht, als der Komponist dem Ensemble des römischen Teatro Valle die Partitur in die Hand drückte. Nach anfänglicher Skepsis des Publikums entwickelte sich seine 20.Oper zum Repertoire-Highlight der italienischen Spielpläne, das auch mehr als eineinhalb Jahrhunderte nach der Uraufführung im Januar 1817 noch begeistern kann. Dazu gehören herausragende Vokalisten wie Bartoli und ihr Gegenüber Raúl Giménez ebenso wie eine pfiffige Inszenierung, wie sie Roberto De Simone Anfang der Neunziger gemeinsam mit dem Bühnenbildner Mauro Carosi und der Kostümbildnerin Odette Nicoletti in Bologna verwirklichte. Als sich 1995 in Houston, Texas, die Möglichkeiten boten, diese Umsetzung bei einem Gastspiel unter idealen Bedingungen aufzunehmen, verwirklichte Brian Large eine Filmversion, die den ganzen Witz der Oper von den grotesken Kostümen bis hin zu Bartolis großartiger Titelpartie festhielt.

Bleibt noch Nummer drei der DVD-Edition. Auch "Live In Italy" ist etwas Besonderes. Denn das Konzert wurde an einem magischen Ort aufgenommen. Der Renaissancebau des Teatro Olimpico in Vicenza ist das älteste überdachte Theater der Welt und hat mit seiner antikisierenden Atmosphäre eine ungewöhnliche Ausstrahlung auf Künstler und Publikum. Die Mischung aus Konzentration und Ausgelassenheit, die das imposante Halboval impliziert, verleiht den Darbietungen etwas Bedeutungsvolles, das von den Interpreten mit einiger Geschicklichkeit noch gefördert werden kann. Cecilia Bartoli teilte den Konzertabend in einen Renaissance- und Barockpart, den sie mit dem Alte-Musik-Ensemble Sonatori de la Gioiosa Marca verwirklichte, und ein Arien-Recital gemeinsam mit Jean-Yves Thibaudet am Klavier. Die Begeisterung der Menschen im Saal, als sie schließlich mit Bizets "Près des remparts de Séville" endete, war überwältigend und die überträgt sich in der DVD-Version auf den Gesangsliebhaber am Bildschirm. Denn nicht nur der ausgezeichnete Sound, sondern auch die inspirierte Kameraführung lassen den Augenblick zu einem Privat-Konzert werden, das nun jeder daheim genießen kann. So ist die "DVD Collection" nicht nur eine Devotionalie für Fans der römischen Starsängerin, sondern auch ein historisches Dokument, das den Aufstieg einer außergewöhnlichen Künstlerin vielfältig nachvollzieht.