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12.03.2004

Weltenbummler

Weltenbummler

Saiteninstrumente gibt es überall. Sie gehören zur kulturellen Grundausstattung des Menschen, denn sie sind vielseitig und flexibel. Vor diesem Hintergrund entwickelte Alexander-Sergei Ramírez die Idee, mit seiner Gitarre musikalisch um die Welt zu reisen. Egal ob Argentinien oder Japan, Russland oder Kamerun, sein Instrument war schon vor ihm da und hatte Traditionen entstehen lassen. Für "Odyssey" suchte er daher siebzehn Lieder aus allen Kontinenten, die er zu einem abwechslungsreichen Programm zusammenstellte.

Alexander-Sergei Ramírez liebt die Herausforderung. Der 42jährige Gitarrenvirtuose aus Lima hat sich bereits auf den großen Bühnen von Salzburg bis Washington bewährt, doch er würde sich ebenso in einer Bar an den Tresen setzen, um ein paar einheimische Weisen von sich zu geben. Das liegt vor allem an dem besonderen Charakter seines Instruments, das eine derartige Offenheit zulässt: "Die Gitarre ist eines der ungewöhnlichsten Instrumente überhaupt, so vielseitig, dass man sie als Chamäleon unter ihresgleichen bezeichnen kann. Einerseits gehört sie zu den ältesten Instrumenten der Musikgeschichte, andererseits steht sie der Musik der Jugend so nahe wie kein anderes. Die ganze Welt begeistert sich für sie - vielleicht, weil Zupfinstrumente in den meisten Ländern der Erde fest in deren Kultur verankert sind. Ob die japanische Koto, die russische Balalaika oder die arabische Oud, die Gitarre weckt bei ihren Zuhörern Erinnerungen an die heimischen Zupfinstrumente. Das brachte mich auf die Idee, die Gitarre sozusagen auf eine musikalische Reise rund um den Globus zu schicken". Allerdings bedeutete es für Ramírez, dass er sich auch mit für ihn ungewohnten Spieltechniken vertraut machen musste. Natürlich konnte er als Meisterschüler von Maritta Kersting, José-Luis González und Pepe Romero bereits auf einen enormen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Trotzdem war es eine Aufgabe, sich in die spezielle Ausdruckswelt etwa des Tangos oder der russischen Balalaika hineinzuarbeiten.

Viel Sorgfalt verwandte Ramírez dabei auf die passende Zusammenstellung der Werke: "Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das Gitarrenrepertoire ist, im Gegensatz zu seinem Ruf, enorm groß. Denken Sie allein an die vielen fantastischen Kompositionen des vergangenen Jahrhunderts, die ich gar nicht erst berücksichtigen konnte. [...] Wichtig war mir, welch unterschiedlichen Zugang die Komponisten zur Gitarre finden, wichtig auch, dass die Herkunft aus dem jeweiligen Land, wenn auch manchmal entfernt zu spüren war". So entstand "Odyssey" als Streifzug von Spanien über den Mittelmeerraum bis nach Asien und von dort über Australien und Nordamerika bis nach Brasilien, Argentinien, Peru und einem finalen Abstecher nach Afrika. Die Lieder stammen überwiegend von zeitgenössischen Komponisten, manche berühmt wie Astor Piazzolla, andere weniger etabliert wie Nikita Koshkin oder Dilermando Reis. Allen gemeinsam ist die Nähe zum Weltmusikalischen, wenn auch aus der Perspektive des klassischen Instruments. So kann Ramírez an sehr unterschiedlichem Material, mal tanzbar, mal balladesk, mal in Suitenform, mal einfach als Song beweisen, dass er zu den herausragenden Solisten seiner Szene gehört. Denn die Sensibilität und Einführungsgabe, mit der er sich den Liedern nähert, macht aus der guten Idee ein gelungenes Projekt, das sich den Überlieferungen der unterschiedlichen Kulturen würdig erweist.