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22.01.2004

Sahnehäubchen

Sahnehäubchen

Fast möchte man meinen, die alte Zeit sei noch nicht vorbei. Wie sie da sitzen, die Honoratioren der Wiener Gesellschaft und deren internationale Gäste, im Frack und stellenweise ein wenig steif ob des vorangegangenen Jahreswechsel, könnte man sich ein paar Jahrzehnte, wohlmöglich ein Jahrhundert zurückdenken, in die Ära der k. u. k.-Gewissheit, als die österreichische Welt noch in Ordnung zu sein vorgab. Und doch, damals hätte es keine Kameras und Mikrofone gegeben, keine Satellitenschaltungen und weltweite Übertragungen, die aus dem Neujahrskonzert ein globales Medienereignis machen, das nun auch auf DVD erhältlich ist.

Das Neujahrskonzert ist immer ein besonderer Start in die folgenden Monate. Zum einen können sich die Wiener Philharmoniker ein wenig leger präsentieren, schließlich geht es um eine berühmte Familie der Stadt und deren umfangreiches Entertainmentoeuvre. Auf der anderen Seite kümmern sich Ensemble und Dirigent alljährlich darum, das Repertoire durch ein paar Überraschungen aufzulockern. Diesmal gab es ein spezielles Motto, das aufgrund eines Jubiläums nahe lag: Am 14. März 2004 jährt sich der Geburtstag von Johann Strauß Vater zum 200.Mal. Das ist ein Grund zum Feiern, schließlich hat der Sohn der Bierwirteltern Franz und Barbara Strauß es vom Violinspieler im väterlichen Betrieb und gelernten Buchbinder zu einem der produktivsten Künstler der gehobenen Popularmusik gebracht. Seine mehr als 250 Kompositionen sind Ohrwürmer, Klassiker des Konzert- und Tanzrepertoires, die nur noch von den eingängigen Walzern seines Sohnes übertroffen wurden. Allein das Team Johann Strauß Vater und Sohn würde genügend für einen ganzen Musikmarathon hergeben. Im Rahmen des Neujahrskonzertes wurde ein kleiner, feiner Ausschnitt davon ausgewählt. Dazu gehörten die "Beliebte Sperl-Polka", die "Frederica-Polka", der "Cachucha-Galopp" und der "Radetzky-Marsch" (Strauß Vater) ebenso wie "Es war so wunderschön", der "Csardas" aus er "Fledermaus", "Im Sturmschritt" oder "An der schönen blauen Donau" (Strauß Sohn). Darüber hinaus waren Kompositionen von Joseph Lanner und den Strauß-Söhnen Josef und Eduard mit von der Partie.

Dirigiert wurde das Spektakel von Riccardo Muti. Es war der vierte Auftritt des international renommierten Maestros in diesem Rahmen, nachdem er bereits 1993, 1997 und 2000 die Wiener Philharmoniker durch die Welt der Strauß-Melodien geführt hatte. Darüber hinaus haben Orchester und Dirigent seit 1971 bei einer Vielzahl erfolgreicher Projekte zusammengearbeitet. Das Konzert wurde von der Deutschen Grammophon in Kooperation mit dem ORF (Österreichischer Rundfunk und Fernsehen) aufgezeichnet und lässt ein wenig von der speziellen Atmosphäre erahnen, die im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins während des musikalischen Katerfrühstücks herrscht. Denn neben den feierlichen Momenten wartet man insgeheim darauf, dass sich nach einigen Stücken die Menschen erheben und im Tanzschritt durch die Gänge ziehen. Je mehr sich Riccardo Mutis Frisur gegen Ende der Veranstaltung aufzulösen beginnt, je deutlicher er am Pult vorsichtige Ausgelassenheit demonstriert, desto fröhlicher wird es im Saal. Der Directors Cut von Brian Large hält diese Stimmung professionell fest, ergänzt sie für die DVD sogar noch um separat zuschaltbare Balletteinlagen. Außerdem gibt es als Bonus eine kulturelle Reise durch Österreich zu erleben, mit reizvollen Bildern und wunderbarer Musik aus dem Kernland der Alpen. Alles in allem also ein beschwingtes Filmdokument mit großen Melodien und ausgezeichnetem Surround (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1 oder wahlweise PCM Stereo) Sound.