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16.01.2004

Was fürs Herz

Was fürs Herz

Julian Lloyd Webber gehört zu den besten Cellisten seiner Generation. Der Bruder des Musicalkomponisten Andrew hat es geschafft, sich während der vergangenen drei Jahrzehnte mit einem ebenso bunten wie vielseitigen Repertoire ein Publikum zu erspielen, das weit über die Klassikfreunde hinausgeht. Denn er hat keine Scheu vor populären Melodien. Sein Spektrum reicht von Bach bis Elton John und ist gerade deshalb für viele Menschen faszinierend, die sich nicht mit einer Stilrichtung zufrieden geben. Jetzt erscheint unter dem Titel "Gentle Dreams" eine kleine Werkschau von Webbers Aktivitäten, 38 Stücke auf zwei CDs, die quer durch die Musikgeschichte führen.

Längst ist das Cello aus dem Schatten des berühmten kleinen Bruders Geige herausgetreten und hat sich als eigenständiges Solo-Instrument etabliert. Mehr noch: Im Unterschied zu den hochkulturell fixierten Verwandten der Streicherfamilie eignet es sich ausgezeichnet für gattungsüberschreitende Projekte und generiert offenbar auch die passenden Persönlichkeiten, solche Experimente zu wagen. Die Finnen von Apocalyptica etwa rocken mit vier Celli hard & heavy, der Solist Huschke lockt Poppublikum in die Hallen und im Jazzbereich haben inzwischen Koryphäen wie Vincent Courtois, Vincent Segal oder auch Ernst Reijseger neue Maßstäbe gesetzt. Es tut sich was in der Szene und das ist nicht zuletzt auch das Verdienst von Julian Lloyd Webber, der als Vertreter der ernsten Sparte sich an die Interpretation unterhaltsamer, romantischer Melodien gewagt hat. Die Liste seiner Referenzen ist lang.

 

Geboren 1951 in London, hat er bereits als Kind durch ungewöhnliche Begabung auf sich aufmerksam gemacht. Als einer der Meisterschüler von Pierre Fournier hatte er es nicht schwer, seit Anfang der achtziger Jahre sich in der internationalen Konzertszene zu bewähren. Er spielte mit den Berliner Philharmonikern unter Lorin Maazel, mit dem Royal Philharmonic unter Sir Yehudi Menuhin und in den verschiedenen großen Häusern vom Wiener Konzerthaus über das Sydney Opera House bis hin zum Amsterdamer Concertgebouw.

 

Webbers Qualitäten liegen jedoch nicht nur in den Auftritten selbst. Sein warmer, kantabler Ton und die brillante Spieltechnik haben diverse zeitgenössischen Komponisten dazu veranlasst, ihm Werke auf den Leib zu schreiben, unter anderem Philip Glass, James McMillan, Malcolm Arnold und Joaquin Rodrigo. Die Bandbreite der Interpretationen ist groß und so kann er für die Zusammenstellung "Gentle Dreams" aus den Vollen schöpfen. Die Lieder wurden innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte aufgenommen und reichen von Bachs "Air" über Debussys "Clair de Lune" bis hin zu dem Adagio aus Elgars Cello Concert und eigenen Werken wie "Theme From The South Bank Show". Ein besonderes Schmakerl der Zusammenstellung ist schließlich das Duo mit Elton John ("Your Song"), eigens aufgenommen für die Kompilation und eine kammerpoppige Rarität. Denn hier zeigt sich, dass Musikalität nicht an der Grenze des Kanons aufhört, sondern weit hineinreichen kann in die Welt der populären Klanggestaltung.