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09.01.2004

Jugendwerke

Jugendwerke

Als Sergei Rachmaninow mit der Arbeit an seinen Klavierkonzerten begann, war er gerade 17 Jahre alt. Es wurde ein Schaffensrausch voller Impulsivität und Emotionalität, getragen von der Begeisterung über die pianistischen Möglichkeiten spätromantischen Ausdrucks. Die Nummer zwei hingegen war getragener, aber noch immer charakteristisch überschwänglich in der Sprache der Gefühle. Zwei Werke, die viel Erfahrung brauchen, um sie groß, nicht kitschig klingen zu lassen.

Krystian Zimerman ist ein nachdenklicher Pianist. Regelmäßig zieht er sich für ein Jahr aus dem Konzertleben zurück, um sein Repertoire zu erweitern und zu perfektionieren. Wenn er sich den virtuosen Glanzstücken der großen Bühnen annimmt, dann geht es nicht um Präsentation spieltechnischer Fertigkeiten - die sind selbstverständlich! -, sondern um den bestmöglichen Ausdruck, den er einem Werk gegenüber leisten kann. Im Fall von Rachmaninows ersten beiden Klavierkonzerten reicht die Beschäftigung beinahe drei Jahrzehnte zurück: "Ich habe sie im Alter von 15 oder 16 Jahren zum ersten Mal studiert, als ich die Musikschule in Katowice besuchte. Das Konzert Nr. 2 war eines meiner ersten Orchesterkonzerte, und das Konzert Nr. 1 gehörte zu den Werken, die ich bei meinem Abschlussexamen 1977 spielte. Es war auch Teil von Rachmaninows eigener Diplomprüfung. Ich fühlte mich irgendwie persönlich von dem Stück angezogen". Für den Komponisten jedenfalls waren es Wegmarken sehr unterschiedlicher Stationen seiner Karriere. Mit dem ersten Konzert, uraufgeführt am 17. März 1892 bei einem Studentenkonzert am Moskauer Konservatorium, machte der Newcomer auf sich aufmerksam. Das zweite hingegen, das 1901 öffentlich vorgestellt wurde, markierte nach verschiedenen Rückschlägen bei der Kritik den Beginn der internationalen Würdigung als herausragender russischer Komponist.

Für Zimerman, der seit dem ersten Platz beim Chopin-Wettbewerb in Warschau 1975 und der Arbeit mit Herbert von Karajan in den frühen Achtzigern zu den Autoritäten seiner Generation am Klavier zählt, sind die Konzerte eine Herzensangelegenheit: "Die Rachmaninow-Konzerte spielt man nicht, man lebt sie. Es sind junge Konzerte für junge Pianisten, Werke voller 'Sturm und Drang', voller Gefühle, wie man sie bei seiner ersten Liebe erlebt." Dementsprechend energiegeladen und ungestüm geht er vor allem das erste Konzert an, das trotz Rachmaninows Überarbeitung seinen juvenilen Charakter erhalten hat. Partner der Interpretation sind dabei Seiji Ozawa und das Boston Symphony Orchestra, ebenfalls langjährige Weggefährten Zimermans: "Ich konzertiere seit 25 Jahren mit Ozawa und habe enorme Hochachtung vor seinen musikalischen Fähigkeiten. Auch menschlich klappt die Zusammenarbeit hervorragend: Er ist offen für jede Idee". Dieses gegenseitige Verständnis ist die Grundlage für die ungewöhnlich intensiven Neuaufnahmen der Konzerte, die zwischen 1997 und 2000 entstanden. Hier wird ein Rachmaninow wiederentdeckt, himmelhoch jauchzend, zutiefst betrübt, reich an Zwischentönen der Euphorie und Melancholie. Wie er eben sein soll.