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11.12.2003

Nachtgedanken

Nachtgedanken

Die Verknüpfung von Wort, Stimme und Musik übte auf Benjamin Britten einen besonderen Reiz aus. Neben opulenten Werken wie seiner Oper "Peter Grimes" und thematischen Kompositionen wie dem Choralzyklus "A Boy Was Born" wandte er sich in regelmäßigen Abständen Gedichtsammlungen zu, um sie nach seinen Kräften zu vertonen. Mit "Serenade", "Nocturne" und "Les Illuminations" werden nun genau die Hälfte seiner Liedminiaturen auf einer CD vorgestellt.

Britten war Komponist und schon deshalb bewunderte er Dichter. Denn die Meister der anderen Disziplinen nötigten ihm hohen Respekt für die virtuose Behandlung poetischer Inhalte ab. Insgesamt sechsmal beschäftigte er sich ausführlich und ausnotiert mit Gedichtzyklen. Noch als Jugendwerk entstand 1928 "Quatres Chansons françaises". Aus der Zusammenarbeit mit Wystan Hugh Auden wurde 1938 die Sammlung "Our Hunting Fathers" und schließlich kombinierte er noch für die "Spring Symphony" von 1949 Verse mit Musik. Inspirieren ließer sich aus vielen Quellen und war durchaus nicht allein auf englischsprachige Lyrik fixiert. Während seines Auswanderungsversuchs nach Amerika in den späten Dreißiger zum Beispiel las er gerne und begeistert Rimbaud. Die Lektüre faszinierte ihn derartig, dass er aus dessen Gedichten einen eigenen Liedzyklus entstehen ließ. Er nannte ihn "Les Illuminations" und konzipierte ihn zunächst für die Sopranistin Sophie Wyss, die ihn 1940 auch erfolgreich uraufführte. Für die Druckfassung allerdings legte Britten Wert darauf, dass auch andere Lagen sich der Melodien annehmen konnten. Das erklärt, weshalb für die Aufnahme mit dem English Chamber Orchestra der Tenor Peter Pears den Gesangspart mit eindrucksvoller Schärfe übernehmen konnte.

Kaum hatte Britten sein Amerika-Experiment mit der Rückkehr nach England beendet, kümmerte er sich 1942 bereits um den nächsten Liedzyklus. Es war zum einen eine Fingerarbeit, mit der er sich auf die Fertigstellung seiner Oper "Peter Grimes" vorbereitete. Zum anderen wurde "Serenade" aber auch eine Stimmungsstudie klangdramatischen Gestaltens. Es waren atmosphärische Landschaftsbilder, wie etwa zu William Blakes "O Rose, thou art sick", die zunächst ebenfalls für Pears und den wunderbaren Hornisten Dennis Brain entstanden waren. Für die Aufnahme konnte die Originalstimme abermals gewonnen werden, das Soloinstrument allerdings übernahm Barry Tuckwell. Das "Nocturne for Tenor, 7 obligato Instruments and Strings" wiederum entstand 1958 während der Vorbereitungszeit auf die Shakespeare-Bearbeitung "A Midsummer Night's Dream" und spielte bereits deutlich auf die Spannungsgestaltung an, die Britten für die nächste Oper vorgesehen hatte. Im Unterschied zum festgelegten Zyklus der "Serenade" wirken die Lieder von "Nocturne" konzeptionell offener. Korrespondierend zum Inhalt sollten Traumzustände des menschlichen Geistes in musikalische Form gegossen werden. Britten lehnte sich dafür behutsam an Gustav Mahlers harmonische Dichte an und vertonte die Verse mit zuweilen kühnen Melodieführungen. So sind die Liedkompositionen sowohl Großentwürfe en miniature, als auch eigenständige Schaffenskomplexe, die neben den berühmten Werken nicht vergessen werden sollten.