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05.12.2003

Der finstere Prophet

Der finstere Prophet

Es war kein Stoff zur Erbauung. Als Felix Mendelssohn von den Veranstaltern des Birmingham Music Festivals den Auftrag erhielt, nach dem Erfolg seines "Paulus" ein weiteres Oratorium zu schreiben, wählte er die alttestamentarischen Legenden um den Propheten Elias als Textgrundlage. Er verzichtete außerdem auf erzählende Rezitative und so bekam sein Chorwerk eine dramatische Intensität, die seine Zeitgenossen verblüffte.

Felix Mendelssohn (1809-47) war einer der Universalgelehrten seiner Generation. Der Großvater Philosoph, der Vater erfolgreicher Bankier, er selbst mit beträchtlichem Aufwand umfangreich humanistisch gebildet, konnte der Komponist und Dirigent auf materiell gesicherter Basis seine Kunst pflegen. Da er darüber hinaus musisch und sprachlich begabt und von Kindesbeinen an in seinem Elternhaus mit den Geistesgrößen seiner Zeit zusammen gekommen war, konnte er auf einen Grundstock aufbauen, wie ihn kaum ein anderer Kollege zur Verfügung hatte. Mendelssohn nützte diese Chance und brachte während seines kurzen Lebens viel auf den Weg. Als Dirigent entriss er Bachs "Matthäus-Passion" durch eine spektakuläre Aufführung einer über hundert Jahre währenden Vergessenheit und leitete damit die Wiederentdeckung des barocken Meisters ein. Er brachte darüber hinaus neben seinen eigenen Werken zahlreiche zeitgenössische Kompositionen zur Aufführung und gründete nebenbei in Leipzig das erste deutsche Musikkonservatorium, damit auch der Nachwuchs eine Chance zur soliden Ausbildung bekommen konnte. Durch solche Aktionen wurde er in seiner Heimat bekannt und durch seinen immensen Schaffensdrang auch über die Grenzen deutscher Landschaften hinaus ein Begriff.

Besonders in England stieß er auf reges Interesse an seiner Musik. Das hatte neben den persönlichen auch historische Gründe. Das britische Publikum liebte seit Händel große, opulent gestaltete Vokalwerke. Nach dem Tod des Barockkomponisten ließen aber kompetente Nachfolger auf sich warten. Als daher 1840 Mendelssohns "Paulus" mit großem Erfolg beim Musikfest in Liverpool aufgeführt wurde, entdeckte man in dem wortgewandten und künstlerisch vielseitigen Deutschen einen potentiellen Fortsetzer der darbenden Tradition. Die Veranstalter der Birmingham Music Festivals beauftragten ihn mit einem weiteren Oratorium, das im August 1846 ebendort unter der Leitung von Ignaz Moscheles mit immerhin 396 Mitwirkenden uraufgeführt wurde. Ungewohnt dramatisch mit nahezu opernhafter Charakteristik war die Geschichte des unbequemen Propheten Elias gestaltet, der den Menschen im Heiligen Land den Kult des Baal austrieb und dafür nicht nur Wohlwollen erntete. Das Publikum war beeindruckt und man spürt diese Kraft auch mehr als ein Jahrhundert später noch, wenn sich eine Dirigentenpersönlichkeit wie Wolfgang Sawallisch des "Elias" annimmt. Im Juni 1968 entstanden die Aufnahmen mit dem Rundfunkchor und dem Gewandhausorchester in Leipzig und Stars wie Elly Ameling (Die Witwe / Der Engel / Ein Seraph), Peter Schreier (Obadja) und Theo Adam (Elias). Es wurde eine herausragende Einspielung, die gerade durch die Stringenz der klaren, schnörkellosen Interpretation bis heute besticht.

Die Referenz:

"Noch heute ist dies die mit Abstand dramatischste Version am Markt. Unzweifelhaft die beste Aufnahme des Werks in der deutschen Originalversion." (Classic CD 9/96)

Näheres zur Referenz-Reihe unter http://www.referenzaufnahmen.de