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28.11.2003

William und Benjamin

William und Benjamin

Benjamin Britten (1913-76) hatte eine Vorliebe für die Vertonung literarischer Vorlagen. Mal brachte er Rimbaud, mal Maupassant und immer wieder britische Autoren zum Klingen. Da durfte auch Shakespeare nicht fehlen, dessen populärster und zugleich hintersinnigster Komödie er sich mit der Oper "A Midsummer Night's Dream" widmete.

Benjamin Brittens Opern gehören zu den bedeutendsten englischsprachigen Bühnenwerken des 20. Jahrhunderts. Und sie begleiten ihn von der Lebensmitte an über die ganze Künstlerbiographie hinweg. Am 22. November 1913 im englischen Lowestoft, Suffolk, geboren, erwies sich schon der neunjährige Bub Benjamin als musikalisch begabt. Er begann zu komponieren, erhielt seine weiterführende musikalische Ausbildung am Royal College of Music in London unter anderem bei Arthur Benjamin und schrieb noch als Teenager 1932 eine "Sinfonietta", die sein op.1 werden sollte. An Opern wagte er sich erst ein gutes Jahrzehnt später, dann allerdings mit großem Erfolg. "Peter Grimes" (nach der Vorlage "The Borough" des englischen Dichters George Crabbe) etwa entstand 1945 und entwickelte sich zu einem der beliebtesten Musikbühnenstücke der britischen Nachkriegsjahre. Es folgten weitere literarische Bearbeitungen "Billy Budd" (1951 nach Herman Melville) oder auch "The Turn Of The Screw" (1954, nach einer Erzählung des amerikanischen Autors Henry James). Im Jahr 1960 schließlich wagte er sich an die poetische Nationalikone und komponierte "A Midsummer Night's Dream" nach einer Vorlage von William Shakespeare. Die letzte große Literaturumsetzung schließlich war "Death In Venice" im Jahr 1973 und bezog sich auf die Novelle "Tod in Venedig" von Thomas Mann.

Brittens Nähe zur Literatur auf der einen und seine Fähigkeit, im postimpressionistischen Idiom verständlich zu komponieren auf der anderen Seite, machten ihn zu einem von Feuilletons wie Publikum hoch geschätzten Komponisten, dessen musikalisch formuliertes Interesse an Henry Purcell außerdem die Wiederentdeckung des englischen Renaissance-Komponisten auf breiter Basis einleitete. Er war politisch und pädagogisch engagiert, schrieb das Lehrstück "Young Person's Guide To The Orchestra" oder war auch bei den Proben seiner Werke auf der Bühne anwesend. Als es zum Beispiel darum ging, den "Sommernachtstraum" 1966 auf die Bretter der Londoner Assembly Hall zu bringen, ließ er sich schon vor den Orchesterproben sehen, um der künstlerischen Leiterin des Projektes Ann Bradbeer zur Seite zu stehen. So wurde aus dem Verwirrspiel um den folgereichen Ehezwist des Feenpaars Oberon und Tytania und den sich daraus entwickelnden amourösen Verwicklungen ein charmantes Bühnenspektakel und zugleich eine historische Aufnahme, die mit Alfred Deller (Oberon), Elisabeth Harwood (Tytania), Stephen Terry (Puck) und dem London Symphony Orchestra unter der Leitung des Komponisten selbst zahlreiche namhafte musikalische Koryphäen der britischen Nachkriegsszene von den Mikrofonen versammelte.