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28.11.2003

Noch ein Bach

Noch ein Bach

Heutzutage gehören die Violinkonzerte von Johann Sebastian Bach wie selbstverständlich zum Geigenrepertoire. Nach dem Tod des Komponisten jedoch waren sie erst einmal ein Jahrhundert lang verschollen. Und bis heute sind sie nur in sehr unterschiedlichen und schwer einzuordnenden Quellen überliefert. Da wird die stimmige Interpretation zur Aufgabe für jeden Interpreten.

Bach selbst war ein guter Geiger. Sein Sohn Carl Philipp Emanuel beschrieb ihn als soliden musikalischen Handwerker mit klarem und durchdringendem Ton. Jedenfalls war dem Komponisten aus eigener Anschauung bewusst, welche Möglichkeiten das Instrument zu bieten hatte. Er gestaltete daher seine Violinkonzerte im Vergleich zu anderen Stücken, die er für Streicher geschrieben hatte, solistisch eher behutsam, auf Kommunikation zwischen den Beteiligten bedacht. Über den unmittelbaren Anlass für deren Entstehung können nur Vermutungen angestellt werden. Der Widmungsautograph der "Brandenburgischen Konzerte" verwies zunächst auf die Zuordnung zur Köthener Zeit (1717-1723), als Bach durch seine Stellung als Hofkapellmeister häufig mit Orchestermusik beauftragt worden war. Formale Details jedoch lassen auch andere Zusammenhänge möglich erscheinen. In einem Stimmensatz, der um 1730 in Leipzig entstanden war, kommt das "Konzert a-moll BWV 1041" vor, das Schwesterwerk in "E-Dur BWV 1042" wiederum existiert nur in einer (verschollenen) Fassung, die erst nach Bachs Tod erstellt wurde. Die Konzerte in "g-moll BWV 1056" und "c-moll BWV 1060" (für Violine und Oboe) sind in der Regel nur in den Bearbeitungen für ein bzw. zwei Cembali zugänglich, die ebenfalls während der Leipziger Jahre entstanden waren.

So tappt die Forschung in mancher Hinsicht noch im Dunkeln. Umso mehr Möglichkeiten hat ein Interpret, aus den Werken große Musik zu machen. Die Geigerin Viktoria Mullova wählte für ihre Version den herzerfüllten und nachhaltig emotionalen Weg der Gestaltung. Das heißt nicht, dass die Konzerte mit Schmelz überzogen werden. Sie erscheinen vielmehr im moderaten Tempo, trotz klarem Ton mit Emphase angestimmt, erstaunlich warm und versöhnlich. Vielleicht hatte Mullowa die Studenten des Collegium Musicum im Sinn, die sich zu Bachs Zeiten regelmäßig im Café oder Garten von Gottfried Zimmermann trafen, um die Kompositionen ihres Lehrers zu üben und zu spielen. In jedem Fall gelingt ihr mit den im Juli 1995 in Amsterdam gemeinsam mit dem nach ihr benannten Kammernensemble entstanden Aufnahmen eine (vor allem im Kontrast zu den unlängst erscheinen Varianten von Hilary Hahn) wenig analytisch, sehr menschlich, ja fröhlich unbeschwert klingende Interpretation, die sich stilistisch nahtlos in die Reihe ihrer Einspielungen der "Solo-Partitas" und "Violin-Sonaten" (mit Bruno Canino) einfügt.

Die Referenz:

"Die Akustik der neuen Philips-Aufnahme ist besonders intim und verleiht Bachs oft komplexen Baßlinien hervorragende Klarheit." (The Grammophone)

Näheres zur Referenz-Reihe unter http://www.referenzaufnahmen.de