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20.11.2003

TV total

TV total

Es war ein außergewöhnlicher Erfolg. Beinahe 1,5 Millionen Zuschauer haben sich am 16. November zu später Stunde im ZDF die erste Ausstrahlung des neuen Fernsehformates "Sunday Night Classics" angesehen. Damit wurde einsrucksvoll das Vorurteil widerlegt, Klassik sei nur etwas für Spezialisten und eigentlich kaum sendefähig. Was zählt, ist die Qualität der Unterhaltung. Und dieses Motto führt die Kompilation zur Sendung "Sunday Night Classics" konsequent fort.

Eigentlich weiß man es schon lange, dass es den idealen und vor allem eingleisigen Hörer nicht gibt (und wahrscheinlich nie gegeben hat). Denn in einer medial geprägten Welt strömen andauernd neue Klangeindrücke auf das kunstliebende Individuum ein, die die Vorstellung von Geschmack, Stil und Genuss beeinflussen. So wie sich die Kunst selbst verändert, verwandeln sich auch die Vorstellungen von kultureller Offenheit. Was noch vor einer Generation verpönt war, gehört heute bereits zum Alltag. So ist eine Reihe wie "Sunday Night Classics" wegweisend für die Trends der nahen Zukunft. Denn egal, ob im Fernsehen oder auf CD, im Mittelpunkt steht die Vielfalt der Höreindrücke. Und die reicht weit über das Übliche hinaus. Da findet sich zum Beispiel ein traditionsbewusster Luciano Pavarotti wieder, der mit "Caruso" dem Ahnherrn des modernen Tenors eine mediterran getönte Widmung singt. Der Countertenor Andreas Scholl wiederum greift weit zurück in die Vergangenheit und stimmt eine Barock-Arie von Christoph Willibald Gluck an. Die Starsopranistin Renée Fleming setzt Puccinis Ohrwurm "O Mio Babbino Caro" dagegen, die Crossover-Mädels von Bond kontern mit "Kismet" und selbst Rocksänger wie Bono (U2) und David Sylvian (mit Ryuichi Sakamoto) und das Duo Rosenstolz kommen zu Gehör.

 

Die Ausflüge in die Vokaltradition der vergangenen Jahrhunderte werden von kammermusikalischen Kleinodien gerahmt, die den großen Stimmen zärtliche und groteske Momente der instrumentalen Zunft gegenüber stellen. Satie zum Beispiel, dessen "Gnossienne Nr.7" mit den virtuosen Bedürfnissen des bürgerlichen Virtuosentums ins Gericht ging. Oder Schuberts "Ave Maria", das in wunderbar gefühlsdurchzogener Intensität von dem Cellisten Mischa Maisky und seinem Kollegen Pavel Gililov angestimmt wird. Oder auch Klassiker balladesker Klavierkunst wie Chopins "Nocturne Nr.9", dem sich der Shooting Star der Szene Anna Gourari angenommen hat.

 

So erfüllt die Kompilation "Sunday Night Classics" einen doppelten Zweck. Sie erinnert an einen beeindruckenden Fernsehabend mit anspruchvoll unterhaltsamem Programm und setzt zugleich die eingeschlagene Linie in die Richtung einer weiteren Öffnung gegenüber bislang getrennt gehaltenen Disziplinen fort.