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07.11.2003

Barock im Übergangng

Christophe Rousset hat sein Thema gefunden. Der französische Cembalist und Ensembleleiter wendet sich auf ein Neues dem im Schatten der großen Namen Bach, Händel und Vivaldi vernachlässigten Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau zu. Diesmal sind "Six Concerts en Sextuor" an der Reihe, sechs Pretiosen höfischer Gestaltungskunst des ausgehenden, absolutistisch geprägten Barocks.h geprägten Barocks.

Jean-Philippe Rameau (1683-1764) war schnell aus der Mode gekommen. Dabei war er selbst im Zentrum kulturideologischer Auseinandersetzungen gestanden, die in den Jahren des absolutistischen Prunks vor allem am Beispiel der Oper ausgetragen worden waren. Da gab es die Lullisten, die Anhänger des Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully, der als Verfechter einer französischen Opernform vom Sonnenkönig Ludwig XIV nach Kräften gefördert worden war. Für ihn bestand Musik vor allem in der Denkmalpflege der Überlieferung, die keine Änderungen an der vorhandenen Tradition erlaubte. Rameau wiederum hatte seine Ramisten hinter sich versammelt, die für moderate Neuerungen vor allem in der Ouvertüre und einer reicheren Orchester- und Ariengestaltung eintraten. Letztendlich waren die Differenzen nicht groß, aber es ging ums Prinzip, ähnlich wie im noch erbitterteren Opernstreit zwischen Niccolò Piccini und Christoph Willibald Gluck, der die Diskussion wenige Jahrzehnte später erneuerte. Resultat der Auseinandersetzung war allerdings, dass die Kontrahenten spätestens mit dem Einsetzen der Aufklärung (und deren Radikalisierung durch die Französische Revolution) als veraltet und verzopft galten, Stimmen einer überwundenen Epoche, mit der der klare Geist der Folgezeit nichts mehr zu tun haben wollte.

Es war daher Glück, dass Rameau in Jacques-Joseph-Marie Decroix (1746-1826) einen Chronisten fand, der die unpopulär gewordenen Werke aus individueller Passion heraus sammelte. Seines Zeichens königlicher Staatsrat für die Kanzlei von Flandern hatte er genügend Muße, sich dem Studium des Komponisten zu widmen und Autographe zu sammeln, die inzwischen in der Bibliothèque Nationale de France den Grundstock der Rameau-Überlieferung bilden. Der Cembalist und Leiter des Ensembles Les Talents Lyriques Christophe Rousset kann daher auf eine solide Quellenlage bauen, die ihm die Beschäftigung mit dem spätbarocken Oeuvre ermöglicht. Nach den "Ouvertures" und dem "1er Livre de Pieces de Clavecin" widmet er sich mit "Six Concerts en Sextuor" Transkriptionen aus einem der archivierten Stimmenbücher, das selbst mit "Six Concerts" überschrieben ist, allerdings eher Werke für ein gemischtes Instrumentalensemble als Konzerte in geläufiger Form bezeichnet. Es sind zum Teil thematisch betitelte Einzelstücke, die zu jeweils drei bis vier Sätzen zusammen gefasst wurden und Rameaus Kunstfertigkeit dokumentierten, mit einfachsten Mitteln komplexe Strukturen zu schaffen. So entsteht ein musikalisches Dokument einer sich dem Ende zuneigenden Epoche, mit historischem Bewusstsein und zeitgemäßer Perfektion interpretiert. o entsteht ein musikalisches Dokument einer sich dem Ende zuneigenden Epoche, mit historischem Bewusstsein und zeitgemäßer Perfektion interpretiert.