Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

07.11.2003

Kanonendonner

Kanonendonner

Es war die Platte für Angeber. Wer immer zu Wirtschaftswunderzeiten zeigen wollte, dass seine Stereo(!)anlage besser sei als die des Nachbarn, legte Tschaikowskys "Festival Ouverture 1812, op.49" in der Fassung auf, die die Mercury aufgenommen hatte. Denn hier donnerten die Kanonen und läuteten die Glocken in bis dahin unerreichter Deutlichkeit und dynamischer Bandbreite. Auf diese Weise wurde die Langspielplatte zu einer der bestverkauften in der Geschichte klassischer Tonträger. Ein Referenz-Kuriosum.. Ein Referenz-Kuriosum.

Allein schon die Kommentare, die von der Original-LP (1955/58) auf die CD-Version übernommen wurden, sind aus heutiger Sicht rührend. Da erklärt der Sprecher Deems Taylor voll wissenschaftlichem Stolz, mit welcher Mühe die Aufnahmen der Kanonenschüsse und des Glockengeläuts verwirklicht wurden. Dass man sich extra aus dem Militärmuseum von West Point die Kanone Nr. 87 ausgewählt hatte, die auf Napoleons Schlachtfeld gefunden wurde. Dass man eine spezielle Pudermischung verwendet habe, um den maximalen akustischen Effekt zu erzeugen. Oder dass die Techniker der Mercury extra in den Glockenturm des Laura Spelman Rockefeller Memorial Carillon geklettert waren, dort drei separate Mikrofone angebracht hatten, um dann möglichst klares Geläut auf den Bändern zu haben. Diese Begeisterung erscheint im Zeitalter von mobilem Digital Recording für jedermann wie ein Gruß aus der Prähistorie der Tonträgerära. Sie hat jedoch eine immense Bedeutung. Denn obwohl Tschaikowskys "Ouvertüre" und das in ebenfalls noch pubertierender Stereophonie archivierte "Capriccio Italien" eher zu den beiläufigen (wenn auch populären) Werken des russischen Komponisten gehören, wurde das Album vor allem durch die Sorgfalt mit den Effekten zum Renner im Plattenladen. Im Laufe der Jahre verkaufte es sich mehr als zwei Millionen Mal, ein beachtlicher Erfolg, auf den die Techniker tatsächlich stolz sein dürfen.

Mit der Aufnahme von Beethovens Schlachtengetümmel