Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

29.08.2003

Edler Ernst, schlichte Größe

Edler Ernst, schlichte Größe

Wer etwas über das symphonische Gefühl erfahren will, das den Zuhörer packt und durch große Orchestersätze führen kann, der sollte zum Beispiel mit Dvoráks "Symphonie Nr. 5 in F-Dur, op. 76" anfangen. Schmissiger und zugleich leidenschaftlicher geht es kaum als in diesem Werk, das den Anfang der mittleren Schaffensphase des Komponisten markiert. Und das im Rahmen der Gesamteinspielung der Symphonien mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Rafael Kubelik in frischem akustischen Glanz erstrahlt.

Antonin Dvorák hatte es nicht leicht. Als ältestes von neun Geschwistern in die Familie eines böhmischen Schankwirts hineingeboren, wurden seine künstlerischen Talente zunächst weder entdeckt noch gefördert. Der Bub musste eine Lehre mache, wurde Metzgergeselle und hatte doch haufenweise Melodien im Kopf. So rang er mit sich, stellte sich letztlich gegen die Tradition der Familie und ging 1857 als Sechzehnjähriger nach Prag, um an der Orgelschule von Karel Frantisek Picz sein Glück zu versuchen. Dvorák hatte ein wenig Glück und traf mit Josef Foerster auf einen Lehrer, der ihm solide theoretische und praktische Grundlagen beibrachte. Er wurde freiwilliges Mitglied im Orchester der Caeciliengesellschaft, verdiente seinen Lebensunterhalt als Wirtshausmusikant und Kirchensänger, schließlich als Bratschist einer Militärkapelle. Bei all dem Drumherum ließ er es sich jedoch nicht nehmen, auch selbst zu komponieren. Die erste Symphonie entstand 1865, ein noch etwas holperiges, aber ungestümes Werk, das Dvo_ák später nur ungern zum Druck freigab. Bereits mit der zweiten Symphonie, die sich noch im selben Jahr entwickelte, präsentierte sich der Komponist allerdings als profunder Melodiker mit schier unerschöpflichem Einfallsreichtum, inspiriert durch volksmusikalische Klänge, die er jedoch eigenständig konzipierte und symphonisch in Form brachte.

Dvorák komponierte impulsiv, in zuweilen beeindruckender Geschwindigkeit, doch während des ersten Jahrzehnts nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zum ersten Mal hörte er eine seiner Symphonien auf der Bühne, als sein Landsmann, der 17 Jahre ältere Smetana, 1874 in Prag die Uraufführung seiner dritten und das Scherzo der vierten Symphonie dirigierte. Immerhin ging es von da an langsam bergauf. Brahms setzte sich für ihn ein, die Verlage begannen sich zu interessieren, schließlich wurde er zum Nachfolger Smetanas emporgelobt. Spät, aber immerhin, wurde Dvorák 1891 zum Kompositionsprofessor nach Prag berufen. Ein dreijähriges Intermezzo unter anderem am National Conservatory of Music in New York folgte, schließlich die letzten Jahre als gefeierter und etablierter Komponist in seiner böhmischen Heimat. Dvorák hatte es geschafft und er ist bis heute einer der beliebtesten Symphoniker auf den internationalen Spielplänen.

Kein Wunder, dass sich auch ein Dirigent wie der in Prag geborene Rafael Kubelik verleitet fühlte, die verschiedenen Schaffensphasen seines Landsmanns nachzuvollziehen, zumal er mit den Berliner Philharmonikern eines der besten Ensembles für kerniges Pathos und großen Klang zur Verfügung hatte. Die Aufnahmen der Dvorák-6CD-Box, die neben den neun Symphonien auch noch um die symphonische Dichtung "Die Waldtaube" und die "Karneval Ouvertüre" ergänzt wurde, entstanden zwischen Juni 1966 und Februar 1976. Sie wurden in der Berliner Jesus-Christus-Kirche und dem Münchner Herkulessaal festgehalten und dokumentieren nicht nur einen mal wild romantisch schwelgenden, mal analytisch klar resümierenden Kubelik, sondern auch ein Orchester, das unüberhörbar enorme Freude an der Interpretation der Werke hatte. Denn auch das ist typisch für Dvorák. Seine Musik schafft es, die Emotionen der Menschen zu wecken, ohne sie zu dominieren. Sie ist klar und ehrlich, im nötigen Maß naiv, um nicht in der Welt des Kopfes stecken zu bleiben. Das ist ein Teil seines Erfolgsgeheimnisses bis heute, das über die kompositorische Qualität hinaus reicht.

Die Referenz:

"Diese Aufnahmen zeichnen sich insbesondere durch das phantastische Spiel der Berliner Philharmoniker aus, und durch die Wärme, mit der Kubelik musizieren lässt" (Penguin Guide)

Näheres zur Referenz-Reihe unter http://www.referenzaufnahmen.de