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05.09.2003

Freundschaft mit Hindernissen

Freundschaft mit Hindernissen

"Na - nun wollen wir mal", meinte der Maestro und griff zum Taktstock. Zuvor waren verschiedene Versöhnungsverhandlungen mit den Berliner Philharmonikern gelaufen, mit denen Herbert von Karajan sich gründlich verkracht hatte. Schließlich aber siegte die Qualität über die Emotion und so kam es zu einer fruchtbaren späten Phase der Zusammenarbeit. Eine der vielen Episoden aus dem Berlin-Brevier des großen Dirigenten.

Aus heutiger Sicht wirkt es wie eine Selbstverständlichkeit: Berlin und Karajan gehören zusammen. Die Geschichte dieser Freundschaft jedoch ist von vielen Zufällen geprägt. Sein Debüt zum Beispiel war durchaus nicht als Feuerwerk gedacht. Vielmehr sollte der aufstrebende junge Mann, der es in Aachen bereits zum jüngsten Generalmusikdirektor Deutschlands gebracht hatte, getestet werden, ob er den künstlerischen Anforderungen der Reichshauptstadt genügen würde. Karajan bewährte sich. Er arbeitete von 1939 an als Staatskapellmeister der Berliner Oper und wurde zu einem juvenilen Gegenüber des großartigen Wilhelm Furtwängler. Außerdem erwies er sich als erfreulich geschäftstüchtig. Er erkannte die Bedeutung der Schallplatte, obwohl ihre Möglichkeiten in der Schellack-Ära noch begrenzt waren. Trotzdem wurden Aufnahmen gemacht, zunächst von der Ouvertüre der "Zauberflöte", dann von Tschaikowskys "Pathétique". Früh deutete sich an, dass mit Karajan einer der produktivsten Virtuosen neuer Medien an den Start gegangen war (Mehrere jahrzehnte später sollte er es wieder sein, der als Pionier aufwändiger Aufnahmetechniken den Erfolg der CD im Klassikmarkt voran trieb).

Karajan und Berlin. Da gibt es viele Kapitel zu berichten. Ohne ihn wäre wahrscheinlich die Philharmonie nie, und wenn in anderer Form, gebaut worden. Ohne ihn würden die Berliner Philharmoniker, deren Leitung er nach dem Tod Furtwänglers übernahm, anders klingen. Ohne ihn hätten die Berliner Festwochen ein anderes Profil bekommen, wären junge Musiker (wie etwa die Geigerin Anne-Sophie Mutter) wohlmöglich nie angemessen gefördert worden und gäbe es keine Nachwuchs-Festivals wie den Dirigentenwettbewerb und spätere Folgereihen wie den "Europäischen Musiksommer Berlin" und die "Young Euro Classic" Ausscheidung. Karajan und Berlin ist daher das Thema einer exklusiven 2CD-Box, die mit klanglich und interpretatorisch herausragenden Aufnahmen aus der späten Phase in den Achtzigern eine besondere Liaison feiert. Als Bonus dieses Werkquerschnitts von Mozart bis Ravel wurde außerdem der dritte Satz der legendären Aufnahme der Tschaikowsky-"Pathétique" von 1939 beigefügt, damit man auch aus der zeitlichen Distanz nachvollziehen kann, mit welch einer gewaltigen künstlerischen Kraft das "Wunder Karajan" in Berlin begann.