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15.08.2003

Jahrhundertstimme

Jahrhundertstimme

Die Kunst ist, zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören. Als sich die Mezzosopranistin Dame Janet Baker 1982 von der Bühne zurückzog, war sie noch keine 50 Jahre alt. Trotzdem meinte sie, sie wolle lieber eine ausgezeichnete Erinnerung hinterlassen, als öffentlich gegen das schleichende, aber zwangsläufige Schwinden der künstlerische Fähigkeiten zu kämpfen. Am 21. August feiert die britische Starsängerin ihren 70.Geburtstag. Aus diesem Anlass wurden einige ihrer größten Arien auf der CD "The Legendary Dame Janet Baker" versammelt.

Die Karriere der Dame Janet Baker begann eher leise und unspektakulär. Anno 1933 in Hatfield, Yorkshire, geboren, geht sie als Teenagerin zunächst nach London, um bei Helena Isepp zu studieren. Der Unterricht trägt erste Früchte, als die junge Frau 1956 der zweiten Platz beim Kathleen-Ferrier-Wettbewerb gewinnt. Von da an kann sie sich in der Szene bewähren, bekommt ein Stipendium für das Salzburger Mozarteum und wird dort von Lotte Lehmann unterrichtet. Solchermaßen eingewiesen wagt sich Baker drei Jahre später als Hedwig in Georg Friedrich Händels "Rodelinda" auf die Bühne. Ihre klare, außerordentlich homogene Stimme fällt auf und Baker entwickelt sich schnell zu einem Publikumsliebling. Von 1961 an bis 1976 gehört sie zum Ensemble der English Opera Group, singt mal die Dido in Purcells "Dido and Aneas", mal Hauptrollen in Opern Benjamin Brittens. Nach einer triumphalen Amerika-Tournee 1966 und ihrem Debüt am Covent Garden, tritt sie regelmäßig in Glyndebourne auf und unterstützt Raymond Leppard bei dessen Plänen, frühe Werke von Pier Francesco Cavalli und Claudio Monteverdi wieder zu beleben. Ihren selbstgewählten frühen Abschied gibt sie dann 1982 mit Konzerten in der Royal Albert Hall und ebenfalls in Glyndebourne.

Dame Janet Bakers Stimme ist ein Geschenk. Denn ähnlich wie ihr Vorbild Kathleen Ferrier schaffte sie es, sich bei aller Dramatik die Natürlichkeit des Ausdrucks zu erhalten. Ihre Expressivität, die Reinheit der Phrasierung und die perfekte Beherrschung der Vokaltechnik machten sie innerhalb eines Vierteljahrhunderts zu einer der großen Stimmen ihrer Ära. Für die Geburtstagszusammenstellung wurden daher vor allem solche Arien ausgewählt, die die Vielfalt ihres individuellen Ausdrucks dokumentieren. Da sind ihre beliebtesten Melodien wie "Che faro senza Euridice" aus Glucks "Orfeo ed Euridice" ebenso dabei wie Martinis "Plaisir D'Amour" und Purcells "When I am Land in Earth".

Begleitet wird sie von renommierten Ensembles wie der Academy of St. Martin in the Fields unter der Leitung von Sir Neville Marriner oder dem Orchester des Royal Opera House mit Sir Colin Davis am Dirigentenpult. Und was auch immer sie singt, die Musik fängt an zu leuchten. Denn das ist die Kunst von Dame Janet Baker, die große Emotion ohne überflüssigem Pathos.