Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

25.07.2003

Bitte mit Knef

Bitte mit Knef

Wer weltoffen sein will, muss etwas wagen. Aus diesem Grund gibt sich die Zusammenstellung "mondän volume 3" noch ungewohnter als die Vorgänger. Denn neben den Spezialitäten aus dem klassischen Repertoire habe die Kompilatoren ein paar Zuckerl aus den verwandten Disziplinen eingebaut. Da trifft man schon einmal auf die Grande Dame des Jazzgesangs Sarah Vaughan oder eben auf die Knef. Die Grenzen sind in den Köpfen der anderen.

Ein klein bisschen Revolution steckt in den Samplern der "mondän"-Reihe. Nebenbei wird hier einiges versucht, was noch bis vor wenigen Jahren vielleicht nicht undenkbar gewesen wäre, aber doch als Frevel gegolten hätte. Punkt eins: Die Werke der Komponisten werden, wenn es passt, in Ausschnitten präsentiert. Der Satz eines Violinkonzertes, etwa von Philip Glass, kann aus dem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst werden und in einen neuen, in diesem Fall die Verbindung zwischen Kreidler und Sarah Vaughan gestellt werden. Das widerspricht zwar der Vorstellung der Werktreue, bietet aber auf der anderen Seite die Möglichkeit, unerwartete Spannungsverhältnisse zu konzipieren. Es geht ja nicht darum, Musik zu zerschlagen, sondern sie zu bereichern. Punkt zwei: Einzelne klassische Stücke werden ineinandergemischt. Da stehen dem Puristen zunächst die Haare zu Berge. Umso überraschter aber wird er sein, wenn er zum Beispiel kaum merkt, dass Saint-Saëns "Aquarium" bereits zum zweiten Satz aus Rachmaninoffs "Klavierkonzert Nr.1, f-moll, op. 1" mutiert ist. Oder das Astor Piazzolla als Einleitung für Maria João fungiert. Denn die Übergänge zwischen den Stücken sich geschickt gewählt und aufeinander abgestimmt, sodass dich der Spannungsbogen über die gesamte Sammlung entwickelt, so wie er ebenso innerhalb einzelner Sequenzen funktioniert.

 

Der eigentliche Tabubruch aber ist die Vermengung der Stilistiken und Gattungen. Da hat sich seit Richard Strauss die hehre Musikwelt bemüht, die Klangphänomene in E und U zu unterscheiden, zum Teil absonderliche Regelungen zum Vorteil einzelner Beteiligten gefunden und ist mit diesem Balken in der Wahrnehmung sogar erfolgreich in die Konzeption von Radiosendern, ja des ganzen Business vorgedrungen. Und nun sollen diese Sicherheiten des Konsums zugunsten künstlerischer Vielfalt wieder aufgegeben werden! Das ist natürlich ein Unding und doch angesichts der Hörgewohnheiten des (post)modernen Menschen durchaus sinnvoll. Je mehr Möglichkeiten sich bieten, desto schneller wird klar, dass Vorstellungen wie Werktreue, Gattungstrennung, Stilreinheit nicht mehr für alle Beteiligten verbindlich sind. Manch einer hört Musik als Teil seines Lebensvollzugs, angepasst an Stimmungen und Gefühlslagen, nicht an historische Unterscheidungen. Genau dort hat "mondän volume 3" seinen Platz. Hier steht Bartók neben Lehár, Franz Schreker neben Hildegard Knef, Chopin neben Elgar neben Satie. Und niemand schreit auf, denn es geht um den Genuss eines Ganzen, um ein Lebensgefühl der Freude und Entspannung, das mehr Niveau verträgt, als ihm in der Regel zugestanden wird. Um das Mondäne im Alltag, das Besondere ohne Dünkel.