Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

20.06.2003
John Eliot Gardiner

Sternenklänge

John Eliot Gardiner, Sternenklänge

Gustav Holsts "Planeten" begegnet man häufig, ohne es zu wissen. Denn neben den schwülen, pathetischen Passagen bei Mahler und Wagner ist der eigenwillige Orchesterzyklus über die Gestirne eine der prägenden Vorlagen für die sinfonische Filmmusik unserer Tage. Als Werk am Ausklang der Ära der Programmmusik fasst er noch einmal das Wichtigste zusammen, was man über Pathos und Stimmungssteuerung im sinfonischen Rahmen wissen muss.

Gustav Holst war der, den man häufig auf Fotos neben Edward Elgar oder Vaughan Williams stehen sieht. Er war einer der bescheidenen Menschen auf der Bühne der Eitelkeiten, der zwar fleißig komponierte, zugleich aber seine Stellen als Musikdirektor an der Mädchenschule von St. Pauls und dem Morley College für Arbeiter nicht aufgab. Er studierte Sanskrit und indische Musik, war begeistert von Stravinsky und den modernen französischen Komponisten, liebte der Klang von Chören ebenso wie die einfachen Volkslieder, die er mit seinen Eleven einstudierte. In jedem Fall war er einer, der musikalisch nicht hinter den großen englischen Namen hätte zurückstecken müssen, trotzdem aber nicht recht in die Gänge kam. Die Ausnahme bildete dabei seine eigenartig erdenferne Komposition "The Planets", entstanden zwischen 1914 und 1917, am 29.September 1918 mit mäßigem Erfolg im kleinen Kreis in der Londoner "Queen's Hall" uraufgeführt, bevor es die Öffentlichkeit am 15.November 1920 präsentiert bekam. Vor der Beschäftigung mit dem Werk schrieb er an einen Freund: "In der Regel studiere ich nur Gegenstände, die mich musikalisch anregen. Deshalb plagte ich mich mit dem Sanskrit. Dann packte mich kürzlich der Charakter der einzelnen Planeten, und ich begann, ziemlich gründlich Astrologie zu studieren". Zunächst entstanden die Sätze "Mars", "Venus" und "Jupiter" für zwei Klaviere, 1915 gefolgt von "Saturn", "Uranus" und "Neptun" (als einziger Satz für Orgel), schließlich anno 1916 durch "Merkur" vervollständigt.

 

Holsts Werk war für britische Verhältnisse ungewöhnlich radikal und passte in die apokalyptisch-okulte Grundstimmung der späten Kriegs- und frühen Nachkriegsjahre. Trotz der anfänglichen Reserviertheit der Hörer wurde es eines der erfolgreichsten Konzertstücke der europäischen Musik des 20.Jahrhunderts, wohl auch wegen der vergleichsweise einfachen suggestiven Mittel, mit denen der Komponist Stimmungen zu erzeugen verstand. Räumliche Weite zum Beispiel verband er mit modaler Melodik, Kreisbewegungen durch Ostinati, Schwebungen durch Flageolett- oder Celestaklänge. Berühmt wurde auch die Chiffre für das Entschwinden im Raum, die er mit dem sich wiederholenden Motiv des langsam ausklingenden Frauenchores im "Neptun"-Satz schuf.

 

Holst jedenfalls wurde damit berühmt, hatte jedoch nicht mehr arg viel davon, denn er wurde von 1924 an schwer krank und widmete sich von da an soweit als möglich dem Komponieren. Sein Kollege, der Konzertpianist Percy Grainger, plagte sich zu dieser Zeit noch immer mit dem Gedanken, dass er bei Kriegsausbruch mit seiner Mutter nach Amerika geflüchtet war und quasi sein Land im Stich gelassen hatte. Seine Orchesterkomposition "The Warriors" hatte er bereits 1913 angefangen und bis 1916 vollendet. Es blieb seine größtes Werk, voll mit Querverweisen auf musikalische Ideen seiner Zeit, aber doch ohne die hypnotische Kraft, die Holst gestalten konnte.

 

Sir John Eliot Gardiner hat sich im Februar 1994 trotzdem beider Werke angenommen und sie in London mit dem Philharmonia Orchestra und dem Frauenchor des Monteverdi Choirs aufgenommen. Jetzt sind beide Werke sowohl im Rahmen der Referenz-Reihe als auch im beeindruckenden Surround-Sound der SACD-Technik erhältlich. Die Aufnahme entstand im Februar 1994 in London, All Hallows - Gospel Oak, mit dem Philharmonia Orchestra und den Sängerinnen des Monteverdi Choir unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner, der mit gewohnter Finesse seine Ensembles an den Hindernissen der pathosschwangeren Überinterpretation vorbei lotst. Ein akustisches Erlebnis, nicht nur für High End Spezialisten.

 

Die Referenz:

 

"Klassik-CD des Monats. Höchste Bewertungen für die Interpretation und Klangqualität." (M. Seigel in Audio 9/95)

 

Näheres zur Referenz-Reihe unter http://www.referenzaufnahmen.de