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20.06.2003
James Levine

Der Überflieger

James Levine, Der Überflieger

James Levine hatte das Glück, gleich von Anfang an auf oberstem Niveau mitmischen zu können. Er war gerade mal 30 Jahre alt, als er zum musikalischen Direktor des Ravinia Festivals und zum Chefdirigenten der Met berufen wurde. Ehrgeizig und mit viel Talent baute er seine künstlerischen Wirkungsbereiche aus und zählt heute zu den wichtigsten Dirigenten der Gegenwart. Viele Gründe also, James Levine mit der 4-CD-Box "A Celebration In Music" zum 60.Geburtstag zu gratulieren, den er am 23.Juni feiern kann.

James Levine war ein Wunderkind. Mit vier Jahren bekam er ersten Klavierunterricht, mit zehn war er bereits soweit, mit dem Symphonieorchester seiner Heimatstadt Cincinnati auf die Bühne zu steigen und den verblüfften Zuhörern ein brillantes "Klavierkonzert Nr.2" von Mendelssohn zu präsentieren. So war klar, dass der Junge weiter gefördert werden musste. Er wurde auf verschiedene Institute geschickt, unter anderem die Malboro School of Music in Vermont. Dort fiel er dem Pädagogen Carl Bamberger auf, weil er sich häufig bei Proben herumtrieb, zu denen er gar nicht hätte gehen müssen. Es kam zu Gesprächen, Levine durfte probeweise den Chor für eine Produktion von "Cosi Fan Tutte" übernehmen und so wurde seine Leidenschaft fürs Dirigieren geweckt. Es folgten neun Sommerseminare beim "Aspen Festival And School" unter der Ägide von Rosina Lhévinne, dann die Fortsetzung an der New Yorker Juilliard School als Schüler von Jean Morel. Levine kam in Kontakt mit George Szell, der ihn wiederum als Assistent an das Cleveland Orchestra vermittelte. Stück für Stück ging es voran, der Neuling machte sich einen Namen als Spezialist für pathosreiche Orchesterwerke und fiel durch profunde Werkkenntnis und ein phänomenales Gedächtnis auf, das ihn die Partituren in der Regel aus dem kopf dirigieren ließ.

 

Die zweiten dreißig Jahre seiner Karriere waren daraufhin vom zwei Konstanten bestimmt. Zum einen legte Levine Wert auf ein möglichst umfassendes Repertoire bis hin zu zeitgenössischen Komponisten. Auf der anderen Seite blieb er trotz zahlreicher Gastspiele als Dirigent einer kleinen Anzahl von Spitzenensembles treu, mit denen er enge musikalische Beziehungen aufbaute. Alle voran waren es die Wiener und Berliner Philharmoniker, das Chicago Symphony Orchestra und das Orchester der Met, das er durch kontinuierliche Probenarbeit auf internationales und für ein Opernensemble ungewöhnliches symphonisches Niveau brachte. Seit seinem Debüt brachte Levine es allein dort auf rund 2000 Aufführungen von 75 Opern, dazu zahlreiche Tourneen mit Konzertprogrammen. Er wirkte als regelmäßiger Gast in Salzburg (1975-93) und Bayreuth mit (1982-98) und ist seit 1999 noch bis 2004 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, bevor er seinen Verpflichtungen als Musikalischer Leiter beim Boston Symphony Orchestra nachgehen wird.

 

Für die 4-CD-Box, die anlässlich seines 60. Geburtstages am 23. Juni aus einer mehr als 200 Titel umfassenden Diskographie einige Höhepunkte seines Schaffens zusammenfasst, hat er selbst die Auswahl der Werke getroffen. Das Repertoire reicht von Mozart über Brahms, Smetana, Sibelius, Wagner und Bartók bis hin zu Stravinsky, Webers und Schönberg. Und es schöpft aus einem Fundus musikalischer Sternstunden, die er mit den Wiener und Berliner Philharmonikern, dem Chicago Symphony Orchestra und seinem Hausensemble an der Met geschaffen hat. Ein Hoch dem Jubilar, ohne den die musikalische Gegenwart anders klingen würde!