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20.06.2003

Very British

Very British

Als Peter Maxwell Davies zu Beginn der siebziger Jahre seine erste Symphonie schrieb, gehörte er noch zu den Newcomern der britischen Klassikszene. Ein Vierteljahrhundert später ist der hochdekorierte Wahlschotte einer der wichtigen Komponisten seiner Generation, dessen expressionistisch geprägte Klangräume deutliche Spuren in der musikalischen Gegenwart hinterlassen haben. Kurz vor seinem 70.Geburtstag ehrt ihn die Decca mit der Wiederauflage seiner 1.Symphonie und einiger Exzerpte aus der Oper "Taverner" auf CD.

Auch ein Künstlerleben ist geprägt von Zufällen: "Als ich mit der Arbeit an dem Werk 1973 begann, hatte ich keine Ahnung, dass daraus mal eine Symphonie werden würde," erinnert sich Peter Maxwell Davis an die Entstehung seines ersten gewichtigen Orchesterwerkes. Was bei anderen Komponisten aus einem mühsamen Prozess der künstlerischen Selbstfindung entwuchs, schein ihm eine logische Entwicklung aus den Vorgaben der Musik: "Das Philharmonia Orchestra hatte ursprünglich ein Ensemblewerk für 1974 in Auftrag gegeben und ich schrieb ein in der Länge moderates, einsätziges Stück, das zunächst 'Black Pentecost' hieß, nach den letzten Versen eines Gedichtes von George Mackery Brown über die verlassenen Gehöfte im Orkneytal, das ich zuvor bereits für Gitarre und Sopran geschrieben hatte". Aber nachdem Davies die Arbeit beendet hatte, hatte er das unbestimmte Gefühl, noch nicht am Ende zu sein. Also schrieb er zunächst einen langsamen Satz als Ausleitung des expressiven Themas des ursprünglichen Werkes. Wieder kam ihm der Schluss der Fortsetzung noch nicht als tatsächliches Ende der motivischen Gedanken vor, und so folgte zunächst noch ein "Largo", schließlich ein "Presto", bis sich der Komponist mit dem Ergebnis wohlfühlte. Stilistisch orientierte er sich dabei an großen Vorbildern wie Schumann und Sibelius, die er aber mit den musikalischen Erkenntnissen seiner Gegenwart verknüpfte. So wurde aus einem einfachen Auftrag ein opulentes Werk, das das gerade 23jährige Dirigiertalent aus Liverpool Simon Rattle im August 1978 in der Londoner Kingsway Hall mit dem Philharmonia Orchestra für die Decca festhielt.

Aber Davies begab sich auch selbst ans Pult. Die Erfahrungen dazu hatte innerhalb eines farbigen Künstlerlebens gesammelt, das ihn von seiner Heimatstadt Salford zunächst nach Manchester, dann nach Rom und an die Princeton University geführt hatte. Nachdem er an der Cirencester Grammar School für drei Jahre als Lehrer gearbeitet hatte, schaffte er in den frühen Sechzigern den Sprung in die Szene der zeitgenössischen Komponisten. Von Anfang an an größtmöglicher stilistischer Vielfalt interessiert, schuf er daraufhin vom Foxtrott nach Art der 1930er bis hin zu umfassenden symphonischen Werken ein erstaunliches Oeuvre jenseits der Kategorien modernistischer Schulen.

Er gründete außerdem Ensembles wie das Kammerorchester The Fires Of London, mit dem er sich auch 1971 vor die Mikrofone begab, um Melodien und Tänze aus seiner Oper "Taverner" aufzunehmen - einer im weiteren Sinne musikalischen Würdigung des Wirkens von John Taverner, der im konfessionell gebeutelten 16.Jahrhundert zu den wichtigsten englischen Komponisten zählte. "Auf der einen Seite sind 'Pionts And Dances' ein Art Muzak hinter den Geschehnissen. Andererseits bringen sie aber auch die musikalischen Argumente voran und dokumentieren en miniature, was sich in der großen Form in der Szenenfolge abspielt", kommentiert Davies die Kompaktversion von Motiven aus seiner Oper. Das mag Understatement sein, doch es bietet zusammen mit Rattles Interpretation der ersten Symphonie einen klaren und prägnanten Einstieg in die Klangwelt eines Komponisten, der hierzulande durchaus noch in seiner umfassenden Schaffenskraft der Entdeckung harrt.