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06.06.2003

Liebesspiel

Liebesspiel

Mozart war auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit. Das Publikum lag ihm zu Füßen und er beeilte sich, ihm den passenden Stoff zur Bewunderung zu geben. Die ersten zwei Vorstellungen seiner Opera Buffa "Le Nozze Di Figaro" dirigierte er selbst. Bei der zweiten mussten fünf Arien wiederholt werden, bei der dritten sieben, ein kleines Duett sogar dreimal. Lob kam von vielen Seiten, wenn auch das Libretto nicht jedermann passte. Trotzdem, der Figaro wurde ein Erfolg und blieb es bis heute.

Ein bisschen seltsam müssen sich die Beteiligten schon vorgekommen sein. Draußen vor der Tür der Berliner Jesus-Christus-Kirche brodelte es. Der heiße Sommer des Jahres 1968 begann bereits, seine lautstarken Vorboten zu schicken. Es lag Potest, Konflikt, Widerstand in der Luft. Drinnen jedoch herrschte die Vergangenheit, wenn auch mit einem ebenfalls zu seiner Zeit nicht unumstrittenen Werk. So konnte man damals in der "Wiener Realzeitung" folgenden Kommentar zur "Hochzeit des Figaro" lesen: "'Was in unsern Zeiten nicht erlaubt ist, gesagt zu werden, wird gesungen.' Könnte man nach Figaro sagen. Dieses Stück, das man in Paris verbothen, und hier als Komödie sowohl in einer schlechten als in einer guten Uebersetzung aufzuführen nicht erlaubt hat, waren wir endlich so glücklich, als Oper vorgestellet zu sehen. Man sieht, dass wir besser daran sind als die Franzosen".

Tatsächlich hatte es um die Vorlage des Librettos von Beaumarchais in dessen Heimat einigen Streit gegeben. Lorenzo da Ponte hatte es daraufhin ein wenig bearbeitet und zum Verwirrspiel um die standes(un)gemäßen Leidenschaften des Grafen Almaviva umformuliert. Die einzelnen Handlungsstränge allerdings wurden dadurch kaum transparenter und so war das Publikum inhaltlich durchaus irritiert, weil manche Wendung etwa im Zweiten Akt nur schwer spontan durch Zuhören nachvollziehbar war. Die Musik allerdings wurde geliebt, soweit man sie bei den turbulenten Vorstellungen, die zu Mozarts Lebzeiten die Regel waren, überhaupt richtig erleben konnte.

Und die Musik macht den "Figaro" auch noch nach mehr als zwei Jahrhunderten noch zum außergewöhnlichen Ereignis. Zumal, wenn sie von derart erlauchtem Sängerkreis wie bei der Berliner Kirchenaufnahme umgesetzt wird. Am Pult zunächst stand Karl Böhm, der 75jährige Maestro der intelligenten Interpretation, diszipliniert im Umgang mit den Vorlagen, hart in dem, was der seinen Sängern und Sängerinnen an Leistung abverlangte. Die wiederum waren ausgesucht besetzt, so dass die Ansprüche an die Qualität auch eingehalten werden konnten. Die aufsteigende Sopranistin Gundula Janowitz sang die Contessa, ihr Gegenüber Susanna wurde von Edith Mathis übernommen. In den beiden männlichen Hauptrollen wetteiferten die Baritone Dietrich Fischer-Dieskau (Graf Almaviva) und Hermann Prey (Figaro). Das Ganze gerahmt und unterstützt von Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin und aufgenommen durch den erfahrenen Techniker Günter Hermanns. Mit anderen Worten: Im März 1968 traf sich ein Idealensemble, um "Le Nozze Di Figaro" für die Musikwelt festzuhalten. Dementsprechend wegweisend wurde die Aufnahme, die in Punkto Präsenz, Tempo, Transparenz bis heute als vorbildlich gilt.

Die Referenz:

"Bis in die letzten Einzelheiten durchgearbeitete Interpretation, hervorragendes Ensemble." (K.Breh in stereoplay 2/86)

Näheres zur Referenz-Reihe unter http://www.referenzaufnahmen.de