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30.05.2003
Claudio Abbado

Spätes Treffen

Claudio Abbado, Spätes Treffen

Am 26. Juni feiert Claudio Abbado seinen 70.Geburtstag. Ein guter Grund, um den Mailänder Dirigenten und prägenden Musikgestalter der vergangenen Jahrzehnte mit einer besonderen Box zu ehren. Zur Feier der Jubiläums erscheint eine Zusammenstellung mit Orchesterwerken von Richard Wagner, dem sich Abbado seit zwei Jahrzehnten zunehmend widmet. Den Hauptteil machen Szenen aus dem dritten Akt des "Parsifals" aus. Dazu gesellen sich die "Tannhäuser"-Ouvertüre und zwei Szenen aus der Konzertversion von "Tristan und Isolde". Ein schönes, würdiges Festprogramm.

Als Wagner-Interpreten kennt man ihn kaum. Claudio Abbado hat den Hochromantiker zwar nicht gemieden. Doch die Schwerpunkte der Arbeit lagen woanders. Immerhin hatte er während seiner ereignisreichen Künstlerlaufbahn auch viel zu bewältigen. Nach dem Durchbruch in Salzburg 1965 etwa, wo er auf Einladungen Karajans zum ersten Mal die Wiener Philharmoniker dirigieren durfte. Der Eindruck, den er damals als Newcomer hinterließ, war derart profund, dass er bald darauf zu deren ständigem Gastdirigenten wurde. Überhaupt begann man sich zu Beginn der Siebziger, um Abbado zu reißen. Er wurde künstlerischer Leiter der Scala, dann des Londoner Symphonie-Orchester, der Wiener Oper und Philharmoniker, schließlich 1989 der Nachfolger seines Mentors am Pult der Berliner Philharmoniker. Er machte sich einen Namen als Spezialist für Beethoven, Mahler, überhaupt das 19.Jahrhundert, ohne aber besonderen Nachdruck auf Wagner zu verwenden. Er tourte unablässig durch die Welt, gründete eigene Ensembles wie das Philharmonische Orchester der Scala und etablierte sich schließlich als künstlerischer Hansdampf in allen Gassen.

 

Wagner ist nicht sein Schwerpunkt, aber er streift ihn immer wieder. Anfang der Neunziger zum Beispiel kommt es zu einer Aufnahme des "Lohengrins" mit den Wiener Philharmonikern und großartigen Solisten wie Cheryl Studer und Waltraud Meier. Im vergangenen Jahr erschien ein Wagner Album, das die stimmlichen Qualitäten des walisischen Bass-Baritons Bryn Terfel unterstreicht. Und inzwischen steht er sogar in Bayreuth am Pult, mit dem Segen des gestrengen Wolfgang Wagner. So gibt es viele Gründe, Abbado als Wagner-Interpreten genauer vorzustellen. Die Aufnahmen, die im Rahmen seiner Jubiläums-CD erscheinen, entstanden zum Teil in Salzburg im Großen Festspielhaus (März 2002), zum Teil im großen Saal in der Berliner Philharmonie (November 2000) und präsentieren Abbado als ebenso versierten wie umsichtigen Konzeptionisten, der die Berliner Philharmoniker und den Schwedischen Radiochor mit erfahrener Hand an den Klippen des Bombastes vorbei lotst.

 

So hat man den Eindruck, das Abbados Wagner-Phase nun erst richtig beginnt, insbesondere wenn man sich etwa die Intensität der "Vorspiels" und des "Liebestodes" in der Konzertversion von "Tristan und Isolde" vergegenwärtigt. Umso besser, denn die großen Opern des Romantikers sind noch immer die Kür jedes Dirigenten.